Schluss des Marianischen Jahres

13.8.1988 Loreto und 15.8.1988 Marienfried

 

In seiner Enzyklika ãRedemptoris matereÒ vom 25. MŠrz 1987 hatte Papst Johannes Paul II. ein Marianisches Jahr angekŸndigt, das von Pfingsten 1987 (7. Juni) bis zum Maria Himmelfahrtsfest 1988 dauern sollte. Es hŠtte ein ganz besonderes Gnadenjahr mit dem stŠndigen Blick auf Maria, die Mutter Christi und Mutter der Kirche und Mutter jedes einzelnen Gliedes der Kirche werden sollen. Nun geht es Ÿbermorgen zu Ende. Die ganze Kirche hŠtte ãdurch dieses Marianische Jahr dazu aufgerufen werden sollen, sich nicht nur an all das zu erinnern, was in ihrer Vergangenheit das besondere mŸtterliche Mitwirken der Gottesmutter am Heilswerk Christi, des Herrn, bezeugt, sondern die Kirche hŠtte auch ihrerseits fŸr die Zukunft die Wege fŸr dieses Zusammenwirken bereiten sollen.Ò

Dabei dachte der Papst beim Gedanken an die Zukunft der Kirche konkret besonders an die 13 Jahre, die uns noch von der Wende vom 2. zum 3. Jahrtausend trennen, und er meinte, wir sollten allen diesen 13 Jahren beginnend mit dem Marianischen Jahr im Sinn von Fatima ein ganz marianisches GeprŠge geben: wenn nŠmlich in 13 Jahren an der Wende vom 2. zum 3. Jahrtausend es nun schon 2000 Jahre her ist, dass in der FŸlle der Zeit der menschgewordene Sohn Gottes aus Maria der Jungfrau geboren wurde, so gehšrt es sich, dass wir uns immer wieder daran erinnern, wie dieses Ereignis der Menschwerdung Gottes durch das demŸtige Jawort Mariens zustande kam.

Wir hatten uns deshalb bei den Fatima-SŸhnemessen und Predigten vorgenommen, in diesem Marianischen Jahr 1. Maria eifriger als sonst zu grŸ§en in der ehrfŸrchtigen Haltung, in der der Engel Gabriel Maria bei der VerkŸndigung des Heilsratsschlusses Gottes gegrŸ§t hat.

2. Wir hatten uns weiter vorgenommen, in diesem Marianischen Jahr Maria eifriger als sonst nachzuahmen in ihrer demŸtigen Bereitschaft, in allem den Willen Gottes zu erfŸllen als demŸtige Magd des Herrn.

3. Wir hatten uns weiter vorgenommen, in diesem Marianischen Jahr unsere Weihe an Maria nicht blo§ oft ganz bewusst zu erneuern, sondern diese unsere Weihe an Maria auch zu leben.

1.    Ein frohes GrŸ§en der himmlischen Mutter sollte also in diesem Marianischen Jahr immer wieder Ÿber unsere Lippen kommen. Wir wollten Maria vor allem tŠglich grŸ§en im wieder eifriger gebeteten ãEngel des HerrnÒ und im tŠglich gebeteten Rosenkranz. Wir wollten Maria grŸ§en in frohen Wallfahrten zu ihren Gnadenbildern und GnadenstŠtten, um sie dort in frohem Beten und Singen  zu preisen und zu benedeien als die Makellose, als die jungfrŠuliche Mutter und Kšnigin. Wir wollten Maria grŸ§en in ihrem Bild, das wir wieder in unseren Wohnungen aufhŠngen und schmŸcken wollten. Nun, wie war dieser unser Gru§ an Maria in diesem Marianischen Jahr, das nun zu Ende geht? Konnte unsere himmlische Mutter mit uns diesbezŸglich zufrieden sein? Es wŠre gar nicht schlecht, sondern sehr angebracht, darŸber heute ehrliche Gewissenerforschung anzustellen.

 

2.    Wie haben wir in diesem zu Ende gehenden Marianischen Jahr Maria nachgeahmt in ihrem strahlenden Vorbild, in ihrer demŸtigen Ancilla-Domini-Haltung, in ihren Tugenden? Hat man davon Ÿberhaupt etwas gespŸrt im persšnlichen Leben eines jeden von uns, im Gemeinschaftsleben unserer Familien, Gruppen und VerbŠnde und in unseren Pfarrgemeinden?

 

3.    Und wie haben wir uns bemŸht, unserer Weihe an das unbefleckte Herz Mariens in diesem marianischen Jahr, vor allem an den 13. Jeden Monats, ganz bewusst  zu erneuern und dann wieder ganz ernst zu nehmen und zu leben?

 

Insgesamt steht da die Frage vor uns: wie waren wir in diesem Marianischen Jahr zu unserer himmlischen Mutter?  Und umgekehrt: Wie war sie gegen uns in diesem ihr geweihten Jahr?

Vielleicht haben wir wenigstens dann und wann erkannt, dass wir Maria gegenŸber zu grš§tem Dank verpflichtet sind fŸr so viel uns entgegengebrachte Mutterliebe, fŸr so viele Gnaden, die sie uns vermittelt hat, fŸr ihr unŸbertreffliches Vorbild, das sie uns gegeben hat.

Wie soll fortan unser VerhŠltnis zu Maria sein? Vielleicht haben wir im Lauf dieses Marianischen Jahres dann und wann wieder tiefer erfasst und erkannt, wie sinnvoll es ist, sich Maria aus ganzem Herzen zu weihen.

Was wŠre denn Ÿberhaupt Wesen und Sinn unserer Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens?

Soll unsere Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, die wir zum Abschluss des Marianischen Jahres ganz bewusst und aus voller †berzeugung erneuern wollen, mehr sein als nur eine fromme, aber Šu§erlich gebliebene Zeremonie mit einem dabei gesprochenen Gebet, so mŸssen wir wissen, worum es dabei geht.

Wenn wir von der Weihe an die Gottesmutter sprechen, so denken wir gewšhnlich daran, dass wir uns in ganz besonderer Weise unter ihren Schutz stellen und ihre mŸtterliche Hilfe anrufen: Als gŸtige Mutter Ÿbernimmt sie diese Aufgabe sicher sehr gern.

Aber der Kern der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens besteht in mehr, besteht vor allem darin, dass wir uns ihr ganz zu eigen geben. Die Weihe an Maria soll, wie der Papst es im Sinn seines Wahlspruchs ãTotus tuusÒ (ãGanz deinÒ) eine všllig SelbstŸbereignung an Maria fŸr Zeit und Ewigkeit sein. Mit klarer †berlegung, mit freiem Willensentschluss, mit inniger, kindlicher Liebe und mit grenzenlosem Vertrauen geben wir uns, Leib und Seele, mit allem, was wir sind und haben, in die HŠnde Mariens, und zwar in der Absicht und Intention, dass sie, die Mutter, uns, ihre Kinder, hintrage zum dreifaltigen Gott, dem wir in der Hl. Taufe geweiht worden sind. In der Weihe und Ganzhingabe an Maria Ÿbergeben wir uns unserer himmlischen Mutter und Kšnigin, damit sie uns in ihrer mŸtterlichen Liebe und Sorge helfe, immer mit Gott ganz innig verbunden zu bleiben, immer im Gnadenstand, in der heiligmachenden Gnade und in der Freundschaft mit Gott zu bleiben und nie von Gott getrennt zu werden durch die schwere SŸnde mit dem Risiko der ewigen Verdammnis in der Hšlle.

Durch die Ganzhingabe und Weihe an Maria wŠren wir dann aber verpflichtet, nach dem Vorbild Mariens und in Nachahmung ihrer Tugenden Gottes Gebote gewissenhaft zu beobachten, unserer Standespflichten verantwortungsbewusst und gut zu erfŸllen und unser Leben immer z u gestalten nach der Weisung, die Maria den JŸngern Jesu bei der Hochzeit zu Kana gegeben hat: ãAlles, was Er (mein gšttlicher Sohn Jesus Christus) sagt, das tut!Ò

Beachten wir: der Erste, der sich ganz Maria hingegeben hat, war Er, der menschgewordene Sohn Gottes. In den neun Monaten, die Er als Kind unter ihrem unbefleckten Herzen lebte, wollte Er ganz innig mit ihr verbunden sein und wollte nur durch Maria leben, nur durch Maria atmen, nur durch Maria ernŠhrt werden; wollte von Mariens Blut in seinem ganzen Leib durchpulst werden. Und als er dann in der Heiligen Nacht das Licht der Welt erblickt hatte, wollte er noch lange, viele Monate lang ganz und gar Maria ausgeliefert sein: Von Maria wurde er ernŠhrt; von ihr wurde er gewickelt, von Maria wurde er gebadet, von Maria wurde er bekleidet. Alles nahm Er, der menschgewordene Sohn Gottes, von Maria an. Unter dem Mutterblick Mariens wuchs Er dann heran. Auf ihre FŸrbitte hin wirkte Er dann zu Beginn seines šffentlichen Lehrens und Wirkens sein erstes Wunder. Und sein letzter Blick, sterbend am Kreuz, fiel nochmals auf Maria, die ihm so treu und hilfsbereit geholfen hatte, dem himmlischen Vater das gro§e Versšhnungsopfer darzubringen!

Seht, so sollten wir es bei der Weihe und Ganzhingabe an Maria gewisserma§en  nur Christus nachmachen: Wir wollen ganz Gott gehšren fŸr Zeit und Ewigkeit, aber durch die HŠnde Mariens. Ihr vertrauen wir uns an; ihr weihen wir uns mit der Bitte: Mutter, sorge du dafŸr, dass wir Gotteskinder, Gnadenkinder bleiben! Dazu haben wir uns dir Ÿbergeben als dein Gut und Eigentum.

Auf zwei heiligmŠ§ige Priester, die die so verstandene Ganzhingabe und Weihe an Maria besonders propagiert und verbreitet haben, mšchte ich da heute noch etwas ausfŸhrlicher hinweisen.

Der bekannteste dieser beiden Priester ist der Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort.

Er ist durch sein goldenes Buch ãDie wahre Andacht zur Hl. JungfrauÒ und durch seine Schrift ãDas Geheimnis MariensÒ berŸhmt geworden.

Dieser ganz marianisch eingestellte Priester und VolksmissionŠr wurde 1673 als 2. von 18 Kindern eines Advokaten in Montfort sur Meu in der franzšsischen Bretagne geboren.

WŠhrend seines Studiums am St. Thomas-Kolleg der Jesuiten in Rennes wurde ihm in einer Vision der seligsten Jungfrau Maria seine kŸnftige apostolische Berufung mitgeteilt und der Weg, den er dabei zu gehen habe erklŠrt, nŠmlich immer und in allem durch Maria zu Jesus zu gehen. Er studierte dann Theologie im Priesterseminar von Saint-Sulpice in Paris, wo ihn der Geist des gro§en Marienverehrers J.J. Olier tief beeindruckte.

Als Ludwig Maria Grignion von Montfort am 5. Juni 1700 zum Priester geweiht worden war, schrieb er an seinen bisherigen Vorgesetzten: ãIch spŸre das gro§e Verlangen in mir, unermŸdlich dafŸr zu arbeiten, dass unser Herr Jesus Christus und seine heilige Mutter immer mehr geliebt werden. Es drŠngt mich, in einfacher, schlichter weise der Landbevšlkerung die Katechismus-Wahrheiten beizubringen und dabei die Menschen vor allem auf die rechte, innige Marienverehrung hinzulenken. Das wurde dann zum eigentlichen Lebensprogramm in den kurzen 16 Jahren seines Priesterlebens. Er wurde ein Ÿberaus erfolgreicher VolksmissionŠr, der in der Bretagne in rund 200 Volksmissionen, die jeweils 5 Wochen dauerten, Ÿberaus segensreich wirkte. Der gro§e Erfolg bei seinen Volksmissionen ging dabei nicht so sehr auf die von ihm angewandten Mittel zurŸck, sondern vor allem auf seine ganz einzigartig innige Verehrung der jungfrŠulichen Gottesmutter, deren hilfreiche NŠhe er wŠhrend der Volksmissionen oft ganz auffallend zu spŸren bekam.

†ber seinen frŸhen Tod hinaus – er starb erst 43jŠhrig am 28. April 1716 – hat der Hl. Ludwig Maria Grignion durch sein Goldenes Buch Ÿber die wahre Andacht zur Hl. Jungfrau, kurz ãDie vollkommene AndachtÒ genannt, ganz stark weitergewirkt.  Das Manuskript dieses Buches war jahrzehntelang všllig verschollen. Als es dann aber auf fast wunderbare Weise entdeckt und dann gedruckt wurde, erlebte es einen Siegeszug durch die ganze Welt und begeisterte viele fŸr die Ganzhingabe an Maria: der hl. Ludwig Maria Grignion empfiehlt in diesem Goldenen Buch, ãsich in der Art eines Sklaven voll und ganz an Maria hinzugeben und durch Maria an ihren gšttlichen Sohn Jesus Christus, und  sodann alles zu tun mit Maria, in Maria, durch Maria, fŸr MariaÒ. Grundlegend ist dabei die všllige Schenkung seiner selbst und allen Besitzes an die seligste Jungfrau; man schenkt ihr Leib und Seele mit allen FŠhigkeiten und will diese nur nach dem Willen der Gottesmutter und ihres Sohnes behalten und gebrauchen. In der gleichen Absicht schenkt man ihr auch die Šu§eren GŸter, nŠmlich sein Haus, seine Familie, seine EinkŸnfte und ŸbertrŠgt ihr das VerfŸgungsrecht Ÿber alle Genugtuungs- und Verdienstwerte seiner guten Werke. Es genŸgt dabei nicht, wie der Heilige ausdrŸcklich schreibt, ãsich einmal der seligsten Jungfrau als Sklave hingegeben zu habenÒ, man muss vielmehr alles tun durch Maria, mit Maria und in Maria; das nŠchste Ziel allen Handelns soll die Ehre Marias, unserer Herrin und Kšnigin, sein, das letzte Ziel aber die Ehre Gottes; dabei soll man den eigenen Absichten, Einsichten und Neigungen všllig entsagen und an deren Stelle die Marias setzen.

Die dogmatische Voraussetzung fŸr diese Lehre des Hl. Ludwig Maria Grignion liegt in der Erkenntnis der Stellung Marias im gšttlichen Heilsplan, in der Haltung der demŸtigen Magd des Herrn bei ihrem ãFiatÒ, und in der Nachfolge Christi, der sich seiner jungfrŠulichen Mutter im Geheimnis der Menschwerdung rŸckhaltlos Ÿbergeben und anvertraut hat. Der Heilige war sich bewusst,, dass nicht jeder imstande sein wŸrde, diese Hingabe an Maria bis zur letzten Konsequenz zu verwirklichen.

Dennoch haben nicht blo§ die Angehšrigen der beiden vom Hl. Ludwig Maria Grignion gegrŸndeten Ordensgenossenschaften der ãMontfortanerÒ und der ãTšchter der WeisheitÒ die Ganzhingabe an Maria in ihre Ordensregel aufgenommen, sondern auch mehrere andere Kongregationen (wie die Grignion-Schwestern in Altštting und die Canisius-Schwestern in Freiburg in der Schweiz).   ãIhre grš§te Breitenwirkung entfaltet die ãVollkommene AndachtÒ in der ãLegio MariaeÒ, deren Fršmmigkeitshaltung sich auf der GrignionÕschen Lehre aufbaut und die sozusagen die praktische und organisierte Form der Ganzhingabe an Maria darstellt.Ò

 

Auf EinwŠnde und Schwierigkeiten theologischer und psychologischer Art, die gegen die ãVollkommene AndachtÒ vorgebracht wurden und werden, ist mit recht auch hingewiesen worden. Sie stellen sich letztlich aber als unbedeutend heraus, wenn man an die vielen kostbaren FrŸchte denkt, die durch sie bei vielen Menschen, die sie Ÿbten, in ihrem Vollkommenheitsstreben herangereift sind. Ein besonders schšnes, konkretes Beispiel stellt dafŸr ãder flŠmische Priester Eduard Poppe dar, der nach nur achtjŠhrigem Priestertum im Jahre 1924 im Ruf der Heiligkeit starbÒ.

 

Dass die ãVollkommene AndachtÒ auch durch das oberste Lehramt der Kirche gutgehei§en worden ist, zeigte sich in €u§erungen Leos XIII. anlŠsslich der Seligsprechung Ludwig Maria Grignions am 22. Januar 1888 und in €u§erungen PiusÔ XII. anlŠsslich der Heiligsprechung am 20. Juli 1947.

 

†bersehen wir bei dem Hl. Ludwig Maria Grignion und seiner Ganzhingabe und Weihe an Maria ja nicht, dass sie fŸr ihn nur ein Weg sein soll, der sicher und vollkommen zu Christus fŸhrt. Nach diesem Heiligen ist die Marienweihe als vollkommene Andacht zu Maria ein leichter, kurzer, vollkommener und sicherer weg zu Christus. Christus ist das eigentliche Ziel der Marienweihe, durch Maria zu Christus: ãJe mehr eine Seele Maria geweiht ist, desto mehr ist sie Jesus Christus geweihtÒ, sagt dieser Heilige: darum sieht er die Marienweihe theologisch ganz richtig als eine vollkommene Erneuerung des TaufgelŸbdes an: In der Taufe sind wir Christus eingegliedert worden. Maria soll uns, wenn wir uns ihr weihen, helfen, dass wir immer stŠrker mit Christus verbunden werden und mit ihm verbunden bleiben. Wie Maria entscheidend mitgewirkt hat bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes Jesus Christus, so soll Maria auch ganz entscheidend mitwirken beim Christwerden jedes Getauften. Wšrtlich sagt der Hl. Ludwig Maria Grignion: ãGott Sohn will sich jeden Tag durch seine liebe Mutter in seinen Gliedern gestalten und gleichsam in ihnen Fleisch annehmen.Ò

Dass es diesem marianischen Heiligen bei der Ganzhingabe an Maria letztlich um Christus geht, der in uns immer mehr Gestalt annehmen soll, das zeigt sich besonders klar in der von diesem Heiligen vorgeschlagenen Weiheformel, (die so lautet: ãIch N.N., treuloser SŸnder, erneuere und bekrŠftige heute in deine HŠnde (selige Jungfrau Maria) meine TaufgelŸbde. Ich widersage fŸr immer dem Teufel, seiner Pracht und seinen Werken und Ÿbergebe mich ganz Jesu Christo, der menschgewordenen (ewigen) Weisheit, um mein Kreuz ihm nachzutragen alle Tage meines Lebens: Und damit ich ihm treuer (verbunden) sei, als ich es bisher gewesen bin, erwŠhle ich dich heute, o Maria, in Gegenwart des ganzen himmlischen Hofes, zu meiner Mutter und Herrin. Ich Ÿbergebe und weihe dir als dein Sklave meinen Leib und meine Seele, meine inneren und Šu§eren GŸter und sogar den Wert aller meiner vergangenen, gegenwŠrtigen und zukŸnftigen guten Werke, indem ich dir das ganze und volle Recht Ÿberlasse, Ÿber mich und all das Meinige ohne Ausnahme nach deinem Wohlgefallen zu verfŸgen zur grš§eren Ehre Gottes in der Zeit und in der Ewigkeit.)

 

Die in diesem Weihegebet ausgesprochene †bereignung an Maria will letztlich nichts anderes sein als der gro§mŸtige Entschluss, die Mutter des Herrn als besonderes Lebensvorbild in der Christusnachfolge zu erwŠhlen. Wer im Sinn der vollkommenen Andacht zu Maria zu leben sucht, kommt nach dem Hl. Ludwig Maria Grignion dahin, alles ãdurch, mit, in und fŸr MariaÒ zu tun.

 

Der zweite Priester, der die Weihe und Ganzhingabe an Maria propagiert hat, ist  P. Nikolaus Zucchi.

Wenn  von der vollkommenen Hingabe und Weihe an Maria und durch Maria an Jesus die Rede ist, spricht man fast immer nur vom Hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort; er hat aber einen VorgŠnger gehabt in jenem heiligmŠ§igen Jesuiten, P. Nikolaus Zucchi, der drei Jahre vor der Geburt des Hl. Ludwig Maria Grignion, nŠmlich 1670, in Rom 84jŠhrig gestorben ist. Nikolaus Zucchi, dieser heiligmŠ§ige Jesuit wirkte jahrelang ungemein erfolgreich als Professor der Physik und Mathematik an der UniversitŠt des Collegium Romanum, das der Hl. Ignatius v. L. gegrŸndet hatte. Als Gelehrter schreib er mehrere Werke Ÿber Fragen der Technik und Optik. Er war der Entdecker des Teleskops und war der erste, der 1630 die Flecken des Planeten Jupiter entdeckte.

Neben der Professur war P. Nikolaus Zucchi ein ganz selbstloser, kluger Seelsorger an seinen HochschŸlern; der erfahrene Jugendseelsorger stellte bald fest, wie viele seiner Studenten in den StŸrmen der  Jugend in ganz gro§e Versuchungen gegen die Reinheit gerieten, furchtbar zu ringen und zu kŠmpfen hatten und dabei leider gar manchmal auch schwere Niederlagen erlebten.

Da empfahl er den unter grš§ten Schwierigkeiten Ringenden und Reifenden, vor allem wenn sie in die schlechte Gewohnheit der Masturbation  (Selbstbefriedigung) hineingeraten waren, sie sollten jeden Tag am Morgen nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen ein Ave Maria beten und dazu das von ihm verfasste Weihegebet an Maria: ãO Domina mea et mater mea ...Ò (ãO meine Herrin, o meine Mutter, dir bringe ich mich ganz dar und um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Her, mich selber ganz und gar. Weil ich also dir gehšre, o gute Mutter, so bewahre und beschŸtze mich als dein Eigentum.Ò

P. Nikolaus Zucchi hat spŠter in seinem Werk ãSulla vera devozione nella servit della Vergine Nostra SignoraÒ (Rom 1666) selber erzŠhlt, wie Tausende und tausende die Kraft dieses Weihegebetes erfahren haben und standhaft und stark geblieben sind in allen Versuchungen und Schwierigkeiten: der Gedanke, dass diese ringenden Menschen ihre HŠnde, ihre Augen, ihre Ohren, ihren Mund, ihr Herz, ihren Leib und ihre Seele der makellosen  Jungfrau geweiht hatten, hielt sie sogar in ganz gro§en Gefahren vor dem Bšsen und vor dem Fall in die TodsŸnde zurŸck.

Seht, liebe BrŸder und Schwestern im Herrn, diese Weihe und Ganzhingabe an Maria ganz im Sinn des Hl. Ludwig Maria Grignion und im Sinn seiner Sklavenschaft oder Knechtschaft gegenŸber der jungfrŠulichen Gottesmutter, sollte man nicht nur bei feierlichen AnlŠssen, sondern oft, ja tŠglich ganz bewusst erneuern: ãO meine Herrin, o meine Mutter, dir bringe ich mich ganz dar ...Ò dazu sollte immer auch ein ãAve MariaÒ kommen. Und ich bin Ÿberzeugt, die Gottesmutter wird sich immer verpflichtet fŸhlen, auf einen solchen Menschen ganz besonders zu achten und ihn ganz besonders zu beschŸtzen, weil er ja ganz und gar ihr gehšrt und ihr Eigentum geworden ist.

So wie ein rechtschaffener, charaktervoller, ordnungsliebender Mensch auf sein Eigentum, auf seine Sachen achtet, dass sie schšn sauber bleiben und nicht verschmutzen, so macht es dann die Immaculata mit solchen Menschen, die sich ihr in der Ganzhingabe geweiht haben. Diese Weiheformel in etwas verkŸrzter Form kšnnte man auch tagsŸber bei Versuchungen und Schwierigkeiten leicht wiederholen, andŠchtig und vertrauensvoll: ãO meine Herrin, o meine Mutter, gedenke, dass ich dein bin, bewahre mich, beschŸtze mich als dein Eigentum!Ò

Ja, nehmen wir Maria ruhig beim Wort. Sie hat es denen, die sich ihr weihen, versprochen, sie ganz besonders zu beschŸtzen und zu beschirmen. Und es stimmt der alte Spruch, hinter dem viel Erfahrung steckt: ãServus Mariae numquam peribit. – Ein Diener Marias geht niemals verloren.Ò

Wie vielen jungen Menschen, die ihre Weihe an Maria ernst genommen haben, schon geholfen worden ist, haben vor einigen Jahren zwei erfahrene Jugendseelsorger – P. Ludwig Esch SJ und Dr. Josef Maier in ihren BŸchern aufgezeigt: sie haben Jugendliche und auch reife Menschen befragt, was ihnen Maria in der Jugendzeit, in den KŠmpfen und StŸrmen der Reifejahre bedeutet habe. Die Antworten darauf haben sie in einem Buch veršffentlicht. Hunderte von jungen Menschen kommen da zu Wort und schildern in oft ergreifender Weise, wie ihnen Maria geholfen und immer wieder geholfen hat und wie ihnen das Ideal Marias Halt und StŸtze in schweren Stunden war.

Viele von uns kšnnten das sicher ebenfalls bestŠtigen. Es braucht dabei freilich die richtige Auffassung der Weihe an Maria.

Man muss sich dabei immer wieder neu fŸr sie und ihr Ideal begeistern, fŸr diese Frau, die ganz rein und ganz schšn ist und nichts anderes will als nur dies, uns zu ihrem Sohn zu fŸhren in einem solchen Zustand, in welchem er an uns sein Wohlgefallen haben kann.

Man muss sich immer wieder neu begeistern fŸr Maria, man muss immer wieder zu ihr in heiliger Begeisterung aufschauen. Wie šde und schnšde wird dann alle Sinneslust und sexuelle SŸndenlust, die zuletzt ja doch nur Gewissensunruhe und Ekel zurŸcklŠsst.

Aufschauen zu ihr, dieser unbeschreiblich reinen, edlen, schšnen Frau!

Die kleine Bernadette Soubirous von Lourdes hatte einem KŸnstler, die schšne Dame, die sie in der Grotte von Massabielle so oft geschaut hatte, ausfŸhrlich geschildert und beschrieben, damit dieser KŸnstler die Immaculata dann nachgestalten kšnne in einer Statue, die dann in der Grotte von Massabielle aufgestellt werden sollte. Und der KŸnstler gab sich viel, unsagbar viel MŸhe, das Bild der Immaculata nach der Schilderung Bernadettes so schšn als nur mšglich zu gestalten: Und als er fertig war mit seiner Arbeit wurde Bernadette gerufen. Sie musste ihr Urteil abgeben: Hat die dir erschienene Dame so ausgesehen?  Da fing Bernadette zu weinen an: ã Ja, was ist denn los? Stimmt es also nicht? Habe ich Maria nicht richtig getroffen?Ò so fragte der KŸnstler. Bernadette antwortete ihm: ãDie Statue ist schon so, wie ich sie beschrieben habe, aber sie ist viel viel schšner. Man kann sie ja gar nicht schildern.Ò

Schildern kann man sie nicht, aber begeistern kann man sich fŸr so viel Schšnheit, fŸr so viel unverletzte, ungetrŸbte Reinheit: Ihr gegenŸber sind ja all die sogenannten Schšnheitskšniginnen nur armselige Fratzen.

Sich begeistern fŸr Maria, die Immaculata!

Ich meine, Gott hat nicht blo§ deshalb Maria als einziges Menschenkind unbefleckt bewahrt vor der ErbsŸnde und jeder persšnlichen SŸnde, damit sie im Geheimnis der Menschwerdung eine wŸrdige Wohnstatt des Sohnes Gottes werden, sondern auch, damit uns Maria  immer wieder und immer wieder, wenn uns die Triebe und Leidenschaften und die sexuell verschmutzte AtmosphŠre mit all den in den Medien dargebotenen Niedrigen Reizen ins Gemeine und Bšse niederziehen mšchten, wir uns immer wieder neu begeistern fŸr das Schšne, Edle und Reine, das in Maria verkšrpert ist.

Die gelebte Weihe und Ganzhingabe an Maria muss im stŠndigen BemŸhen bestehen, der Immaculata immer Šhnlicher zu werden und uns von ihr als Mutter tŠglich neu weiterfŸhren zu lassen zu ihrem gšttlichen Sohn.

Weihe an Maria! Vollziehen wir sie; vertrauen wir uns ihr, der Unbefleckt empfangenen, jungfrŠulichen Gottesmutter an. Schenken wir ihr unser grenzenloses Vertrauen, dass sie uns einmal gut hinŸberbringen wird in die Ewigkeit. Denn sie hŠlt, was sie verspricht. Halten auch wir unser Versprechen. Amen