Die ersten Verehrer des unbefleckten Herzens Mariae

 

Am 8. Februar 1948 waren es bekanntlich 300 Jahre, dass zum ersten Mal das Unbefleckte Herz Mariae im hl. Messopfer liturgisch verehrt wurde. Es geschah – wie Ihnen ja sehr gut bekannt ist – auf Anregung des hl. Johannes Eudes, den Papst Pius XI. den ãVater, Lehrer und Apostel der liturgischen Verehrung der heiligsten Herzen Jesus und  MariaeÒ genannt hat.

An jener geschichtlichen StŠtte, wo vor 300 Jahren das erste feierliche Messopfer z u Ehren des unbefleckten Herzens Mariens gefeiert wurde, nŠmlich in Autun in Frankreich, hat man vor zwei Jahren dieses JubilŠum intimster Marienverehrung besonders gefeiert. In der Feier dieses JubilŠums erwuchs damals der Plan, in den verschiedenen Dišzesen der Welt, in den religišsen Orden und Genossenschaften eine umfassende Untersuchung einzuleiten, um die Wege der gšttlichen Vorsehung besser kennenzulernen, wie sie immer zu Maria und immer mehr gerade zu ihrem unbefleckten Mutterherzen gefŸhrt hat. Auf diese Weise kšnnte man lernen, der stillen FŸhrung der Gnade demŸtiger und segensreicher zu folgen und das Ganze sollte dann ein wahrhaft katholischer Beitrag zur Geschichte und Aszese christlicher Fršmmigkeit sein.

Der Hl. Vater hat diesen Plan, der da fŸr eine gro§zŸgige, weltweite Untersuchung und Erforschung der Geschichte der Herz Mariae Verehrung ausgedacht worden war, gutgehei§en in einem schšnen Handschreiben an den Bischof von Autun, Mons. Lebrun.

Ich lese Ihnen das pŠpstliche Schreiben vor:

Text dieses Schreibens nicht mehr vorhanden!

Gerade das erhabene Vorbild des Hl. Vaters Pius XII. in seiner Liebe zum Unbefleckten Herzen Mariens und seine oberhirtliche Sorge, uns alle dem Herzen der lieben Gottesmutter zu weihen und immer wieder dorthin zu weisen, zum ãThron der GnadenÒ, das hat die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariae in unserer Zeit ganz gewaltig gefšrdert.

Auf Grund dieses Planes und auf Grund dieses pŠpstlichen Empfehlungsschreibens ging man nun in letzter Zeit Ÿberall daran, die Geschichte der Herz Mariae Verehrung zu erforschen.

WŠhrend nun diese Arbeit in den anderen LŠndern schon fast vollendet ist, nimmt sie, durch verschiedene UmstŠnde verzšgert, bei uns in …sterreich erst ihren Anfang. Die šsterreichische Bischofskonferenz hat am 29. MŠrz 1949 den Entschluss gefasst, sich der internationalen Untersuchung anzuschlie§en und sie in allen Dišzesen, in allen religišsen Orden und Genossenschaften durchzufŸhren. In Wien wurde zu diesem Zweck ein Herz Mariae Werk gegrŸndet, an dessen Spitze P. Dr. Reinhard Flessenkemper, ss. cc. steht.

Allem Anschein nach kam es bei uns in …sterreich Ÿber die GrŸndung des Werkes nicht viel hinaus. Jedenfalls bei uns in Salzburg wurde in dieser Hinsicht bisher noch nichts unternommen, wie mir aus einem Schreiben des genannten P. Flessenkemper  klar wird, das ich Ende des Jahres erhielt. Das Schreiben an mich lautet:

Text dieses Schreibens nicht mehr vorhanden!

Bei uns in Salzburg kommen wir aber nicht sehr weit zurŸck, was die Geschichte der Herz Mariae Verehrung betrifft: (Da ist vor allem ihr Haus, das seit GrŸndung 1886 sicher immer ein Mittelpunkt der Herz Mariae Verehrung in unserer Dišzese war: still und treu und innig wurde hier von jener Zeit an durch Gebet und Opfer und vor allem durch ernste Nachahmung der Tugenden des unbefleckten Herzens Mariae dieses reinste Herz verehrt. Und als dann die Kirche erbaut war und am 24. August 1901 von Weihbischof Kaltner der Hochaltar ausdrŸcklich ãzu Ehren des reinsten Herzens MariaeÒ geweiht wurde, da beginn in ununterbrochener Reihenfolge die Jahre herauf, also nun schon bald durch 50Jahre, die liturgische Verehrung des Herzens Mariae an dieser StŠtte. Wie es aber sonst mit der Herz Mariae Verehrung in unserem Lande aussieht? Und aussah?) Bisher habe ich nur herausgebracht, dass es in unserer Erzdišzese an 12 Orten Herz Mariae Bruderschaften gab oder noch gibt, die durchwegs alles vor 100 Jahren, 1844 – 1845 entstanden sind (Mayrhofen, Zell am Ziller, Stumm im Zillertal, Stuhlfelden, Kirchental, Mariastein, Forstau, Steinberg, Kelchsau, St. Johann im Pongau und hier in Salzburg noch an der Franziskanerkirche; Bruck i. T.).

Damals ging von Paris her Ÿberhaupt eine Welle der Herz Mariae Verehrung durch unser Land. In Paris hatte am 3. Dez. 1836 Pfarrer Desgenettes von der Kirche Unserer Lieben Frau vom Siege (N. D. des Victoires) den Plan zu einer Erzbruderschaft des hl. und unbefleckten Herzens Mariae zur Bekehrung der SŸnder entworfen. Gott verband gleich anfangs ganz gro§e Segnungen mit dieser Bruderschaft, die sich von dort rasch Ÿber die NachbarlŠnder ausbreitete. Aus dieser Zeit 1844-45 stammen, wie gesagt,, die in unserer Erzdišzese existierenden Herz Mariae Bruderschaften und aus dieser Zeit dŸrften auch die vielfach heute noch in den BauernhŠusern z.B. feststellbaren Herz  Jesu und Herz Mariae Bilder stammen.

Die Nachforschungen, wie weit man sonst, nicht blo§ bei uns in Salzburg in der Geschichte der Herz Mariae Verehrung zurŸckkommt, sind ganz aufschlussreich.

Von der allgemein einsetzenden und liturgisch geformten Herz Mariae Verehrung, wie sie zweifellos den hl. Johannes Eudes zum Urheber hat (sein Werk ãLe coeur admirable de la tres-sacrŽe Mre de DieuÒ, Caen 1681) – gleichzeitig neben ihm war in Italien ein Jesuitenpater namens P. Joh. Pinamonti (+1703) durch seine Predigten und durch sein Werk ãil sacro cuore di Maria VergineÒ darum eifrig bemŸht – vor dieser Zeit, in der also die jetzige kirchliche Form der Herz Mariae Verehrung einsetzte, finden wir jedenfalls deutliche Spuren, auch bei uns in …sterreich.

So kšnnte man bis ins 12. Jahrhundert zurŸckgreifen: Der šsterreichische Benediktinerabt, der sel. Gottfried von Admont redet in seinen tiefen Homilien mehrmals vom Herzen der Gottesmutter, dem all unsere Verehrung gehšre. Aber kommen wir nicht noch viel weiter zurŸck?

Ich mšchte diese Frage ganz fest bejahen und Ihnen in diesen VortrŠgen aufzeigen:

Der erste Herz Mariae Verehrer war – es ist doch gar nicht anders denkbar – der ewige Gottessohn selber, Jesus Christus, der sich das Herz Mariens erwŠhlt hat, um an diesem Herzen menschgeworden neun Monate lang zu ruhen. Und das war ja nicht blo§ ein rein vegetatives Ruhen am Herzen der Mutter und ein blo§ organisches Wachsen und Reifen, wie es schlie§lich jedes Menschenkind am Herzen der Mutter durchmacht die neun Monate lang. – Wir haben ja doch – auf Grund der Gottheit Jesu – unbedingt festzuhalten, dass er bereits unter dem Herzen Mariens, vom ersten Augenblick der EmpfŠngnis nicht blo§ im vollen Besitz des Bewusstseins, sondern auch im Besitz der beseligenden Anschauung Gottes war. Was mšgen also in diesen neun Monaten stršme der zartesten, innigsten Liebe vom Herzen des Kindes zum Herzen der Mutter hinŸbergeflossen sein. Ja, schon damals war der Heiland der erste und beste Her Mariae Verehrer und schon damals, vom ersten Augenblick seiner Menschwerdung an, da er sich dem Gesetz unterwarf, war es ihm auch mit dem 4. Gebot Gottes durch und durch ernst: Die der Mutter geschuldete Liebe und Verehrung ist Christus seiner Mutter niemals schuldig geblieben, auch nicht in diesen neun Monaten zartesten, innigsten Verbundenseins, da das Herz Jesu und das Herz Mariens nebeneinanderschlugen im schšnsten Einklang, der zwischen zwei Herzen denkbar ist.

Aber nicht vom Heiland als dem ersten Herz Mariae Verehrer mšchte ich reden. Wenn wir von Christus, dem Sohn Gottes absehen und nach den Herz Mariae Verehrern unter den Menschen fragen, so ist zweifellos niemand anderer als der hl. Joseph der erste und beste und treueste Herz Mariae Verehrer gewesen!

Maria hat einen Verehrer gehabt im besten und schšnsten Sinn dieses Wortes (das im Zusammenleben der Menschen so oft missbraucht wird). Und dieser Verehrer war der hl. Joseph!

Das mšchte ich Ihnen in meinem ersten Vortrag zeigen:

St. Joseph als der erste Herz Mariae Verehrer!

Es ist das sicher kein gekŸnsteltes, weit hergeholtes Thema (hier bei Ihnen, sondern ist hier in St. Joseph sicher sehr naheliegend.  Wenn Ihr Haus St. Joseph hei§t, die Kirche aber, die Herzmitte des Hauses, dem Herzen  Mariens geweiht ist, so soll doch schon dadurch in schšner Weise darauf hingewiesen werden, wie dem hl. Joseph das unbefleckte Herz Mariens anvertraut worden war zum SchŸtzen, zum Verehren und zum Lieben. )

St. Joseph, der BrŠutigam Mariens, kann uns vielleicht auch am besten zeigen, worin die Grš§e und WŸrde, der Adel und die Schšnheit des Herzens Mariens vor allem zu suchen ist. Und er kann uns vielleicht auch am besten zeigen, wie wir nach seinem Beispiel das Herz Mariens verehren und lieben sollen.

Wollen wir den hl. Joseph als den ersten Verehrer des Herzens Mariens kennenlernen, so muss uns zuerst einmal seine Stellung zu Maria, sein VerhŠltnis zu Maria klar werden.

Und wir mŸssen da sagen: Zwischen Maria und Joseph bestand ein ganz besonders inniges und zartes VerhŠltnis, denn sie waren verbunden durch eine wahre und eigentliche Ehe. Die Ehe ist aber doch schlie§lich die innigste und stŠrkste, die zarteste und festeste Bindung, durch die zwei Menschen aneinander gekettet werden kšnnen. Nimmt doch der hl. Paulus, um das innige VerhŠltnis zwischen Christus und seiner Kirche zu schildern, ganz bewusst das Bild der Ehe.

Zwischen Maria und Joseph bestand aber nicht blo§ im bildlichen, Ÿbertragenen Sinn eine Ehe, sondern im vollen, wahren, wirklichen Sinn.

Wir haben manchmal – fast aus einer etwas manichŠischen Einstellung heraus – eine eigenartige Scheu, di es zuzugeben, dass zwischen Maria und Joseph eine wahre und eigentliche Ehe bestand.

Und doch gibt es gar keinen Zweifel: der hl. Joseph war nicht etwa blo§ der BrŠutigam Mariens, in dem Sinn, wie wir das Wort BrŠutigam verstehen, sondern er war wirklich im vollen, rechtlichen und eigentlichen Sinn der Gemahl Mariens und umgekehrt Maria wirklich die Gattin, die Gemahlin Josephs.

Die Hl. Schrift gebraucht ja ausdrŸcklich diese AusdrŸcke: So z.B. bei Mt 1,16: ãJakob aber zeugte Joseph, den MANN MARIENS, von der Jesus geboren wurde, der da Christus genannt wirdÒ.

Bei Mt 1,19 hei§t es: ãDa aber Joseph, IHR MANN, gerecht war ...Ò

Und Mt 1,20 wird vom Engel zum hl. Joseph gesagt: ãJoseph, fŸrchte dich nicht, MARIA, DEINE GATTIN, zu dir zu nehmen, denn was in ihr gezeugt worden ist, stammt vom Hl. GeisteÒ.

Und bei Luk 2,5 hei§t es beim Bericht Ÿber die Wanderung zur VolkszŠhlung nach Bethlehem: ã ... um sich mit Maria, SEINER ANGETRAUTEN GATTIN, aufschreiben zu lassenÒ.

Dazu kommt noch die in den Evangelien klar verbŸrgte Tatsache, dass Maria und Joseph wirklich in einem Haushalt zusammenlebten und dass dieses Zusammenleben im Verwandten- und Bekanntenkreis als solches bekannt war; denn bei der Auffassung der damaligen Juden von der gebotenen sittlichen Strenge des Ehe-und Familienlebens konnten erwachsene, reife Menschen verschiedenen Geschlechtes, die nicht zu einer Familie zusammengehšrten, unmšglich unter einem Dache zusammenleben und ein gemeinschaftliches Leben fŸhren, wenn sie nicht miteinander durch die Ehe als Gemahl und Gemahlin verbunden waren.

Vom hl. Joseph sagt es nun die Hl. Schrift ausdrŸcklich, dass er Maria zu sich nahm, dass er an Maria sorgsam und treu alle Pflichten eines Ehemannes erfŸllte und umgekehrt Maria die Pflichten einer Ehefrau: sie gingen zusammen zur VolkszŠhlung nach Bethlehem,  sie begaben sich zusammen nach Jerusalem zu den religišsen Festen, sie flohen zusammen vor der Verfolgung des Herodes nach €gypten. Und nach der RŸckkehr aus €gypten wohnten sie zusammen in Nazareth.

Es ist also nach all dem, was die Hl. Schrift uns sagt, gar kein Zweifel, dass Maria und Joseph durch eine ganz gesetzmŠ§ige, legitime Ehe miteinander verbunden waren. Es war so schšn, als die Kirche in der Liturgie frŸher an dieser Tatsache nicht vorbeiging, sondern ein eigenes Fest der VermŠhlung Mariens beging. (23. Januar)

Joseph war also Mariens Verehrer, Liebhaber, BrŠutigam und Gemahl im allerwahrsten und zugleich auch im allerschšnsten Sinn.

Joseph hat sich ganz und gar, unzertrennbar und unwiderruflich in einer wahren Ehe mit Maria verbunden: Sein Herz und seine Liebe gehšrten ihr und ihr allein. Und umgekehrt hat Maria sicher ungezwungen und všllig frei – wohl auf ausdrŸckliches Gehei§ Gottes – in diese VermŠhlung mit Joseph eingewilligt. Tat sie es aber, dann gehšrte auch ihrerseits dazu, dass auch sie ihr Herz und ihre Liebe ihrem Gemahl Joseph schenkte, fŸr immer und unwiderruflich, so wie es sich eben nach Gottes Gesetz und willen fŸr eine wahre Ehe geziemt.

Nun kommt aber etwas dazu, was diesem Ehebund in seiner zarten gegenseitigen Liebe himmelhoch heraushebt Ÿber das, was sonst die Menschen unter der Ehe verstehen. Denn die Ehe zwischen Maria und Joseph war eine jungfrŠuliche ehe. Auch das wird wieder aufs klarste in der Hl. Schrift ausgesprochen. Wir brauchen danach nur das VerkŸndigungsevangelium bei Luk 1,26-38 durchlesen. Maria beteuert da dem Engel mit klaren Worten, dass sie ãkeinen Mann erkenneÒ. Auf die herrlichste Botschaft, die je vom Himmel herab an ein Menschenkind erging, erfolgt diese Antwort. Maria, diese weise und demŸtige Jungfrau, will sich mit diesen Worten keineswegs der Aufgabe, die Gott ihr stellt, entziehen. Aber sie versteht nicht, wie sich die Engelsbotschaft an ihr erfŸllen kšnne. Sie fŸhlt sich gewisserma§en gehemmt und beklommen und bittet den himmlischen Botschafter um Aufschluss. Weshalb aber fŸhlt sie sich gehemmt und beklommen? Maria gibt selbst den Grund an: ãWeil ich keinen Mann erkenneÒ. Auch von diesem Wort kšnnte man sagen: Wovon das Herz voll ist, geht der Mund Ÿber! Das Herz Mariens ist voll vom Wunsch und Willen, ganz und gar Gott geweiht zu bleiben in dauernder JungfrŠulichkeit. Bis jetzt hat sie ihre JungfrŠulichkeit bewahrt und sie ist fest entschlossen, diesen kostbaren Schatz weiter zu bewahren. Sie ist dabei fest Ÿberzeugt, dass dieser ihr Entschluss zu ewiger JungfrŠulichkeit von Gott gebilligt und gesegnet worden ist. Sonst hŠtte Mariens Wort ja gar keinen Sinn: ãWie soll dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?Ò Der Entschluss ewiger JungfrŠulichkeit stand bei Maria fest, da konnte der gro§artigste Antrag ihr gemacht werden von welcher Seite auch immer. Daraus kšnnen wir entnehmen, dass Maria in die vorher geschlossene Ehe mit Joseph auch nur unter der Bedingung eingewilligt hatte, dass ihre JungfrŠulichkeit unverletzt gewahrt bliebe. Wenn aber Joseph auf diese Bedingung einging, so kšnnen wir RŸckschlŸsse ziehen auf seine seelische Verfassung, auf seinen Charakter und auf seine ganze Einstellung. Denn wenn er unter dieser so eigenartigen Bedingung fŸr den Eheabschluss einging, so muss ihm, der ja von den kommenden gro§en Dingen der Menschwerdung Gottes unter dem Herzen seiner Braut noch keine Ahnung hatte, der Besitz der Person Mariens, so wie sie war, eben mit der Krone ihrer unberŸhrten, jungfrŠulichen Reinheit wertvoll genug gedŸnkt haben, sich schon deshalb allein mit Maria fŸr immer zu verbinden. Wenn aber dieser Manns o gro§ von der Reinheit und JungfrŠulichkeit Mariens dachte, dann muss er doch wohl selbst auch ein ganz reiner, edler jungfrŠulicher Mensch gewesen sein, der da von Herzen gerne auf die in der Ehe erlaubten und berechtigten Freuden der Sinneslust und des Kindersegens verzichtete, um nur das kostbare Gut der Reinheit seiner Braut hŸten und schŸtzen zu kšnnen.

So werden wir hier also darauf hingewiesen, dass der eheliche Bund zwischen Maria und Joseph nur mit gegenseitiger Zusicherung bestŠndiger JungfrŠulichkeit eingegangen worden sein kann. Denn ohne die Kenntnis und Zustimmung des hl. Joseph zur gelobten JungfrŠulichkeit Mariens hŠtte ein solcher Entschluss seitens der seligsten Jungfrau Maria allein den Ehekontrakt von vorneherein null und nichtig gemacht.

Diese Tatsache, dass beiderseits mit klarster Erkenntnis und freiester Entschlie§ung den Ehebund als jungfrŠuliches BŸndnis eingegangen wurde, mŸssen wir im Auge behalten, um so recht die hohe Verehrung zu wŸrdigen, die der hl. Joseph seiner reinsten Braut zollte und wohlgemerkt dies zu einer Zeit, wo er von einer hšheren AuserwŠhlung Mariens noch gar keine Ahnung hatte.

Schon vom rein natŸrlichen Standpunkt aus betrachtet, lag in der Tatsache, dass der hl. Joseph Maria zur Auserkorenen seines Herzens, zur bestŠndigen GefŠhrtin seines Lebens erwŠhlte und ihr nach Gott den ersten Platz in seinem Herzen einrŠumte,  ein klarer Beweis, wie sehr er Maria achtete, verehrte und liebte und wie er bei Maria nicht auf Šu§ere Schšnheit achtete, die zweifellos auch in besonderem Ausma§ vorhanden war, sondern wie er von allem Anfang an auf das Herz dieser Jungfrau schaute, das sich ihm im Entschluss zu ewiger JungfrŠulichkeit eben als das unbefleckte Herz offenbarte. Wirklich, St. Joseph war der erste Verehrer des unbefleckten Herzens Marias. Er reichte Maria die Hand zu jungfrŠulicher Ehe. So etwas hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen; und sie hŠtte es nicht fŸr mšglich gehalten; auch das AT hat so etwas nicht gekannt. Selbst im NB, in der Zeit der Gnade, finden sich Nachahmungen eines solchen jungfrŠulichen Ehebundes nur hšchst selten. Vom kaiserlichen Ehepaar St. Heinrich und Kunigunde wird es uns berichtet. Und einige andere solche BŸndnisse mag es in der Geschichte der heiligen und der Kirche gegeben haben. Aber sie waren und sind sicher ganz gro§e Seltenheit. Gewiss gibt es in der Geschichte der Kirche bis herauf in unsere Zeit Tausende und Abertausende gro§mŸtiger Seelen, die im Hinblick auf den gšttlichen Heiland und das glorreiche Beispiel seiner heiligsten Mutter mit Begeisterung ihre JungfrŠulichkeit Gott schenken. Aber diese ziehen es vor, im ehelosen Stand weit ruhiger und gefahrloser ihren kostbaren Schatz zu hŸten.

Aber gerade diese Tatsache hat manche immer wieder zur Frage angeregt, ob es denn fŸr Maria und Joseph nicht auch geratener und vollkommener gewesen wŠre, Ÿberhaupt auf den Ehebund zu verzichten, umso mehr, als der Heiland selbst, der hl. Paulus und die Kirche zu jeder Zeit den ehelosen jungfrŠulichen Stand so hoch in Ehren halten.

Zum richtigen VerstŠndnis mŸssen wir hier die ZeitumstŠnde in Betracht ziehen. Vor allem dŸrfen wir nicht Ÿbersehen, dass hier ein Hšherer das walten seiner gŸtigen Vorsehung geltend machte.

So viel kšnnen wir wohl von vorneherein sagen, dass diese zwei hochbegnadeten Seelen, Maria und Joseph, wenn sie die Ehelosigkeit als etwas Vollkommeneres angesehen hŠtten, unbedingt ihr auch gefolgt wŠren.

Aber eine Reihe von GrŸnden machen bereits die KirchenvŠter geltend, die den Ehebund bei Maria und Joseph als geraten, ja sozusagen als notwendig erscheinen lassen:

ZunŠchst war die Anschauung im israelitischen Volk hinsichtlich des Ehestandes eine solche, dass es allgemein aufgefallen wŠre, wenn sich jemand freiwillig diesem Stande entzogen hŠtte. Es bestand zwar kein Gebot, dass alle die Ehe eingehen mŸssen. Aber man hŠtte es doch als einen Versto§ gegen die šffentliche Sitte betrachtet, sich der Ÿblichen Gewohnheit nicht anzuschlie§en.

Und der Grund ist auch ganz berechtigt: Aller Augen waren ja im israelitischen Volk auf den kommenden Messias gerichtet. In den Kindern hoffte der glŠubige Israelit in irgendeiner Weise schlie§lich doch noch des messianischen Segens teilhaftig zu werden. Kindersegen wurde als ErfŸllung der Verhei§ung Gottes an Abraham angesehen. Deshalb wurde Kinderlosigkeit als schwere Heimsuchung, ja sogar als Strafe Gottes aufgefasst. So ist es begreiflich, das sich aus dem ganzen AT keine einzige Jungfrau namhaft machen lŠsst, die freiwillig auf den Ehestand verzichtet hŠtte.

Man kann darum mit vollem Recht sagen, dass in den Augen der Israeliten die JungfrŠulichkeit hinter den Ehestand zurŸcktrat.

Darum war es in jedem Fall geraten, mindestens Šu§erlich sich dem allgemeinen brauch anzuschlie§en und in den Ehestand zu treten, selbst dann, wenn man der JungfrŠulichkeit den Vorzug gab und entschlossen war, sein ganzes Leben lang jungfrŠulich Gott zu dienen.

Das galt also auch fŸr Maria. Auch fŸr sie war es angemessen, schon nach dieser Hinsicht ihren jungfrŠulichen Entschluss unter den Schleiern des Ehebundes zu verbergen.

Ein Gleiches lŠsst sich wohl auch vom hl. Joseph sagen. Auch ihn zwang in gewissem Sinn der Brauch der Juden. Sonst hŠtte er Maria nicht erwŠhlt, meint der hl. Augustinus, wenn er Ÿberhaupt nicht eine Gemahlin hŠtte haben mŸssen (Contra Julian. Pel. V, 12, n. 48). So drŠngten also die ZeitumstŠnde fast mit Notwendigkeit sowohl Maria als auch Joseph zum Ehebund.

Wer aber die UmstŠnde so gefŸgt hat, das ist Gottes weise Vorsehung. Der hl. Thomas v. A. findet in dieser Anordnung Gottes eine ganz gro§e Weisheit, sowohl im Hinblick auf den Heiland, als auch im Hinblick auf seine heilige Mutter als auch im Hinblick auf uns: WŠre die Geburt des Herrn nicht durch einen gesetzlichen Vater in den Augen der Welt, die fŸr eine jungfrŠuliche Geburt absolut kein VerstŠndnis besa§, geschŸtzt gewesen, welchen Angriffen wŠren der Heiland und seine gebenedeite Mutter ausgesetzt gewesen? Ja, Maria hŠtte eigentlich den Tod der Steinigung erwarten mŸssen, wie der hl. Hieronymus bemerkt. Der Heiland und seine Mutter mussten in Ehren und unangefochten in der …ffentlichkeit auftreten kšnnen.

Dazu kommt dann noch, wie es ja der Heiland selbst mit Nachdruck betont, dass der Messias von David abstammen musste. Ohne den ehelichen Bund des hl. Joseph, dieses Sprossen Davids, mit Maria, hŠtte Christus in gesetzlich berechtigter Weise niemals als Sohn Davids auftreten kšnnen, auch wenn Maria selbst aus dem Hause und Geschlechte Davids stammte.

Der hl. MŠrtyrer Ignatius von  Ant. Gibt noch einen Grund an, dass der Herr in einer wirklichen und wahren Ehe sein Erdendasein aus der Jungfrau Maria beginnen wollte. Damit nŠmlich der Teufel nicht vor der Zeit von dem gro§en Geheimnis Kunde erhielte und womšglich dann diesem Geheimnis der Menschwerdung und Erlšsung noch grš§ere Schwierigkeiten entgegensetzte. Dass es au§erdem fŸr Maria weit gŸnstiger war, einen solchen BeschŸtzer und Helfer in allen Lebenslagen, vor allem in den Jahren der Kindheit und Jugend des Gottessohnes, zur Seite zu haben, ist ja klar.

Es gŠbe der AngemessenheitsgrŸnde genug, die eine VermŠhlung der reinsten Jungfrau vollauf rechtfertigen. Wenn aber der ewige Gott dabei noch ganz besonders seine Vorsehung walten lie§, so ergeben sich daraus noch ganz besonders beachtenswerte Folgerungen.

Die Ehen werden im Himmel geschlossen:

Wenn dieses Wort je einmal Geltung hatte, dann sicher bei dem heiligen Ehebund zwischen Maria und Joseph.

Mit ewiger Liebe hatte die heiligste Dreifaltigkeit Maria zur Mutter des Erlšsers vorausbestimmt und dementsprechend auch alles, was zu diesem Zwecke beitragen konnte, aufs sorgfŠltigste ausgewŠhlt.

Wenn nun also unter dem Schleier der Ehe sich das gro§e Geheimnis der Menschwerdung Gottes vollziehen sollte, so galt es, fŸr die Gottesmutter einen wŸrdigen Ehe- und LebensgefŠhrten zu schaffen. ãlasst uns ihr einen Gehilfen machen, der ihr gleich istÒ .. So mag der dreifaltige Gott auch hier wie bei der ErgŠnzung des ersten Menschen gesprochen haben.

So weit als Ÿberhaupt mšglich ebenbŸrtig sollte der erwŠhlte BrŠutigam fŸr die reinste Braut und erwŠhlte Mutter des Sohnes Gottes sein, ebenbŸrtig vor allem, was die Gesinnungen des Herzens betrifft.

Da finden wir – im Plane der gšttlichen Vorsehung das ganze Ÿberlegend – es erst recht begreiflich, wie auch der hl. Joseph seine Hand nur zu einem jungfrŠulichen Bund hergab und wie auch der hl. Joseph in einem ganz besonders gro§en Tugendreichtum sich vor allen seinen Zeitgenossen, ja vor allen MŠnnern aller Zeiten hervorgetan haben mag.

Jetzt begreifen wir es auch, wie diese beiden Herzen sich so leicht fanden und verstanden und wie sie sich die wertvollsten SchŠtze zu diesem hl. Ehegelšbnis entgegenbrachten: Dadurch, dass der hl. Joseph Maria Hand und Herz zum jungfrŠulichen Bunde darbot und seine eigene JungfrŠulichkeit als kostbarstes Brautgeschenk Ÿberreichte, schenkte er Maria mehr als er, der verarmte Spross aus dem kšniglichen Geschlechte David, geschenkt hŠtte, wenn er ein Kšnigreich in die Ehe mitgebracht hŠtte. Dadurch aber, dass im gleichen Sinn Maria den hl. Joseph zum HŸter, ja sogar zum rechtmŠ§igen Herrn und EigentŸmer ihrer eigenen unbefleckten Reinheit auf ewig erwŠhlt und erkoren hat, fielen dem hl. Joseph SchŠtze zu, die mit nichts auf der Welt verglichen werden kšnnen.

Welche Ehre und Verehrung erwies also der hl. Joseph der reinsten Jungfrau allein schon dadurch, dass er sie zu seiner jungfrŠulichen Braut erkor und ihr zugleich zum Gegengeschenk seine eigene JungfrŠulichkeit darbrachte! Und diese Verehrung des unbefleckten Herzens Mariens steigerte er dann im Laufe des Ehelebens weiter noch dadurch, dass er Maria immer eifriger und treuer in ihrem Tugendleben nachzuahmen suchte.

Freilich ist ihm das sicher nicht schwer gefallen, weil ja sein fŸr alles Schšne, Gro§e und Edle aufgeschlossene Mannesherz wie fortgerissen war von Liebe und Begeisterung fŸr seine so einzigartig liebenswŸrdige Braut.

Und wenn sich der hl. Joseph, wie manche Theologen meinen, unter der Anleitung des Hl. Geistes dazu entschlossen hatte, die JungfrŠulichkeit sein Leben lang zu wahren, so musste er ja von Staunen erfasst werden, eine gleichgestimmte Seele zu entdecken, die mit ihm als LebensgefŠhrtin an seiner Seite in gleicher Reinheit und JungfrŠulichkeit wandeln wollte.

Oder hat erst Maria, als er um ihre Hand anhielt, ihn durch ihr glŠnzendes Beispiel und ihr begeisterndes Wort zu dem gleichen Entschluss gebracht? Jedenfalls musste ihm bei dieser ganz au§ergewšhnlichen †berraschung Maria wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt vorkommen, und er spŸrte dann umso mehr, wie es bei diesem Menschen nicht auf das €u§ere, sondern auf das Innere, auf das Herz ankam. So mag der hl. Joseph dann erst recht zum Herz Mariae Verehrer im schšnsten Sinn des Wortes geworden sein.

Ohne Zweifel, ich sagte es schon, fehlte es der Erkorenen seines Herzens auch nicht an natŸrlicher Schšnheit. Ja unter allen Menschenkindern fand sich sicher keine so zarte Schšnheit und keine so liebenswŸrdige MajestŠt wie sie Maria auch rein Šu§erlich zu eigen war. Aber nicht diese irdische Schšnheit fesselte den hl. Joseph. Was ihn gleichsam blendete und ganz fortriss, war die innere Herrlichkeit mit dem kšstlichen schmuck der heiligen, makellosen, unberŸhrten Reinheit und JungfrŠulichkeit. Wirklich, es ist kein Spiel mit Worten, wenn wir darum den hl. Joseph den ersten Verehrer des unbefleckten Herzens Mariae nennen.

Mariens unbeflecktes Herz war sein Kronschatz, den zu hŸten und vor jeder Gefahr zu schŸtzen, ihm als schšnste Lebensaufgabe vorkam. Das dazu dann noch eine weitere, noch grš§ere Aufgabe kam, war nur der Lohn fŸr diese seine Liebe und Verehrung zum Herzen Mariens. Daum, weil er das unbefleckte Herz Mariens so innig liebte und verehrte, wurde ihm dann schlie§lich auch noch das Herz Jesu zum Schutze anvertraut.

Was sich aus dem Gesagten fŸr die Art unserer Herz Mariae Verehrung ergibt?

Ich brauche es wohl nicht mehr ausfŸhren. Es versteht sich fast von selber: WertschŠtzung und eigenen, gottgeweihten JungfrŠulichkeit, die wir in allen Gefahren und Versuchungen, die daherkommen kšnnen, immer wieder diesen heiligsten Personen anvertrauen wollen zur BehŸtung und BeschŸtzung. Und dann die rechte Dankbarkeit fŸr den erwŠhlten Beruf der JungfrŠulichkeit! Es war Gnadenruf Gottes, fŸr den wir nie genug danken kšnnen. Tun wir es wieder einmal so recht von Herzen an diesem Tag.

(Und wenn Sie fortan wieder wie alle Tage das schšne 12malige Ave Maria des hl. Vaters Eudes beten, dann fŸgen sie immer mit der rechten Andacht und Liebe auch die Anrufung hinzu:

Et benedictus sponsus tuus Joseph!)

 

ÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉÉ.

 

II. ÒEt benedictus sponsus tuus Joseph!Ó Der Lohn fŸr die Herz Mariae Verehrung

 

Die Geschichte der Herz Mariae Verehrung wollten wir in diesen Tagen unseres Triduums der Vorbereitung auf das schšne fest des reinsten Herzens Mariae zurŸckverfolgen bis in ihre AnfŠnge.

Da steht der hl. Joseph, der jungfrŠuliche BrŠutigam und Gemahl der Gottesmutter als der erste Verehrer des Unbefleckten Herzens Mariae vor uns:

Auf das Herz hat er geschaut bei der Wahl, die er getroffen hat, und es war eine glŸckliche, nein, die glŸcklichste Wahl, die je ein Mensch getroffen hat. Gerne wollte dieser hochgemute, edle Mann die grš§ten Opfer bringen und auch auf erlaubte Freuden, wie sie zum Eheleben gehšren, verzichten, wenn er nur dieses makellos reine Herz sein Eigen nennen durfte.

Wirklich mit heiligem Stolz durfte der hl. Joseph auf seine erkorene Braut schauen wegen der Tugenden, die er an ihr gewahrte und wegen der strahlenden Reinheit, die er aus ihrem wunderbaren Entschluss, stets jungfrŠulich zu bleiben, in ihrem Herzen voraussetzen musste.

Dass ihm ein himmelweit erhabeneres GlŸck durch Maria beschert werde, ja, das ihm ãmit ihr zugleich alles Gute zugefallenÒ ist, das konnte Joseph damals nicht im Entferntesten ahnen.

Auf Grund seiner jungfrŠulichen Liebe zum unbefleckten Herzen Mariens wurde ihm das Kostbarste zuteil: Das gšttliche Kind!

Noch nie hat Gott einen Ehebund so gesegnet, wie er dieses jungfrŠuliche EhebŸndnis zwischen Maria und Joseph gesegnet hat:  Der wertvollste Schatz, den jemals die Erde besitzen sollte, wurde dieser Ehe anvertraut.

Es wŠre lohnend, nachzuweisen, wie der hl. Joseph wirklich auf Grund des ehelichen BŸndnisses mit Maria in Wahrheit der Vater des gšttlichen Kindes genannt werden kann.

Der hl. Joseph war nicht blo§ NŠhr- oder Pflegevater des Jesuskindes, wie wir immer zu sagen pflegen. Gewiss war er dies auch, denn der hl. Joseph hat zweifellos in bestmšglicher Weise fŸr Leib und Leben des Jesuskindes gesorgt: er hat ihm Nahrung und Kleidung verschafft, er hat es nach Mšglichkeit vor jedem leiblichen Ungemach beschŸtzt, er hat es den Nachstellungen des Herodes durch die Flucht nach €gypten entzogen, er hat ihm Anleitung in dem von ihm selbst ausgeŸbten Zimmermannshandwerk gegeben.  Und es ist keine Dienstleistung denkbar, die der hl. Joseph dem Jesuskind nicht mit wahrhaft vŠterlicher Liebe und Sorgfalt gewidmet hŠtte zusammen mit Maria. Gerade das ist ja das wunderbar schšne und Traute in dieser jungfrŠulich-ehelichen Verbindung dieser zwei edelsten Herzen, dass sie ihrerseits nur fŸr   e  i n   Herz schlugen, von dem sie selbst ihr Leben und ihr Alles empfangen hŠtten, nŠmlich fŸr das Herz des menschgewordenen Gottessohnes. Von ihm sind beide, Maria und Joseph, nicht zu trennen auf ihn sind nicht blo§ ihre Blicke, sondern alles Sinnen und Trachten, alles Sehnen und Lieben gerichtet. So nimmt sich das VerhŠltnis des hl. Joseph zur Gottesmutter aus: Sein ganzes WŸnschen  und Verlangen, sein Streben und Arbeiten hatte nur das Ziel, fŸr Maria und mit Maria jenem zu dienen, der ihr Kind und ihr Gott zugleich war.

Das war praktische Herz Mariae Verehrung: Maria liebend dem menschgewordenen Sohn Gottes dienen im Einsatz aller KrŠfte der Seele und des Leibes!

Aber alle Liebe und Sorge, die der hl. Joseph dem gšttlichen Kind entgegenbrachte, schenkte er ihm nicht blo§ als Pflegevater; Joseph war mehr. Auch wenn der Sohn Gottes auf wunderbare Weise, jungfrŠulich empfangen und jungfrŠulich geboren aus Maria, der Jungfrau, in diese Welt eintrat, er war nicht blo§ das Kind Mariens, er war auch Kind des hl. Joseph: Er war ja ganz und gar das Kind des jungfrŠulichen Ehebundes zwischen Maria und Joseph. So eigenartig und fremd das klingen mag, es ist doch wahr, dogmatisch ganz richtig und es ist das geeignet, unser Verehrung des hl. Joseph und Ÿber ihn unsere Verehrung des unbefleckten Herzens Mariae zu mehren und zu steigern.

Ich mšchte Ihnen da im Anschluss an den hl. Thomas dies noch eingehender darlegen:

Nach dem Ratschluss der gšttlichen Vorsehung war, wie wir gehšrt haben, die jungfrŠuliche Ehe zwischen Maria und Joseph ganz und gar auf die Menschwerdung des Sohnes Gottes hin geordnet. Diese jungfrŠuliche Ehe sollte nur der angemessenen Vollziehung der Menschwerdung Gottes dienen. (Es musste aber zur Erreichung dieses Zweckes eine wahre Ehe sein, eine blo§e Scheinehe hŠtte nicht genŸgt und wŠre als Mittel zur Erreichung dieses Zweckes geradezu als eine Gottes ganz und gar unwŸrdige LŸge erschienen.) Der Sohn Gottes sollte nach dem ewigen Plan der gšttlichen Vorsehung von einer vermŠhlten Jungfrau empfangen und in ihre Ehe hinein geboren werden.

In der natŸrlichen Ordnung entsteht neues menschliches Leben durch das Zusammenwirken von drei Faktoren: der erste Faktor ist Gott der Herr, der in jedem konkreten Fall die Menschenseele erschafft fŸr jenes materielle, kšrperliche Substrat, das die anderen beiden Faktoren durch ihr Zusammenwirken gebildet haben.  Mann und Weib sind die beiden anderen Faktoren, die durch den Akt der geschlechtlichen Vereinigung, in dem eine vom Weibe gebildete Keimzelle durch den Samen des Mannes befruchtet wird, die Voraussetzung schaffen, dass Gott dann fŸr diesen neuen Organismus die unsterbliche Geistseele ins Dasein ruft.

Das ist in wenigen Worten die natŸrliche Fortpflanzung des menschlichen Lebens, der natŸrliche Ursprung eines neuen Menschenkindes.

Die natŸrliche menschliche TŠtigkeit ist dabei vorbereitend oder disponierend fŸr die schšpferische TŠtigkeit Gottes, durch die die Seele erschaffen und mit dem von Mann und Weib gebildeten organischen Wesen vereinigt wird und so ein neues menschliches Leben ins Dasein tritt.

Nun in unserem Falle, in dem es sich um die EmpfŠngnis des gottmenschlichen Jesuskindes handelt, konnten selbstverstŠndlich die beiden sekundŠren menschlichen Faktoren nicht in gewšhnlicher Weise in TŠtigkeit treten, sind aber keineswegs ganz ausgeschaltet gewesen. Der weibliche Faktor,  nŠmlich der Mutterscho§ Mariens hat auf ganz natŸrliche Weise die zu befruchtende weibliche Keimzelle allmŠhlich ausgebildet und sich dann aber nicht einem Manne zu natŸrlicher Befruchtung jener Keimzelle hingeben, sondern die seligste Jungfrau Maria hat sich in voller ŸbernatŸrlicher Hingabe dem  Hl. Geiste zur VerfŸgung gestellt zur Befruchtung und Belebung und persšnlichen Vereinigung der unter ihrem makellos reinen, jungfrŠulichen Herzen herangereiften Keimzelle mit der zweiten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Maria hat dies getan auf Einladung des Hl. Geistes selbst, erfŸllt und getragen und erleuchtet von der gšttlichen Gnade durch einen Akt demŸtiger und vollstŠndiger Hingabe an Gottes heiligen Willen, durch das welterschŸtternde und die Welt erneuernde, eine neue, ŸbernatŸrliche Ordnung einleitende Wort, das aus der Tiefe ihres unbefleckten Herzens kam: ãSiehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte!Ò (Luk 1,38).

Hat aber auch der andere geschšpfliche Faktor, der hl. Joseph, auf irgendeine Weise mitgewirkt und beigetragen, dass seine jungfrŠuliche Gemahlin so vom Hl. Geiste gesegnet wurde? Ohne Zweifel! Er hat es getan durch seine eigene JungfrŠulichkeit. Und durch seinen jungfrŠulichen Ehebund mit der reinsten Jungfrau. So hat er es nŠmlich ermšglicht, dass der ewige Sohn Gottes in makelloser, wŸrdiger und angemessener Weise in diese Zeitlichkeit eintreten, von einer Jungfrau empfangen und geboren werden konnte; Joseph hat dann weiter auf Gehei§ des Engels seine jungfrŠuliche, von Gott ganz wunderbar gesegnete Gemahlin zu sich genommen und in treuer Hingabe seine ganze Kraft erschšpft im Schutz und im Dienste fŸr sie und die hl. Frucht ihres Leibes. So hat er in disponierender Weise mitgewirkt zur Menschwerdung des Sohnes Gottes im Scho§e seiner Gemahlin. Und diese disponierende TŠtigkeit des hl. Joseph fŸr die Menschwerdung Gottes im Scho§e Mariens war nicht blo§ Šquivalent, gleichwertig einer natŸrlichen Befruchtung, sondern unvergleichlich wertvoller und der Vollziehung des Geheimnisses der Menschwerdung einzig angepasst und geziemend.

So hat also der hl. Joseph schon auch mitgewirkt zur Menschwerdung des gšttlichen Kindes, freilich in anderer, erhabenerer Weise als es sonst ein Vater tut. St. Joseph hat aus seiner eigenen jungfrŠulichen Einstellung heraus und seiner dementsprechend gro§en Hingabe an Gott es ganz Gott Ÿberlassen, den Mutterscho§ seiner jungfrŠulichen Gemahlin in wahrhaft gšttlicher, die JungfrŠulichkeit Mariens nicht verletzender Weise zu vollziehen, eben durch †berschattung des Hl. Geistes.

So ist also der hl. Joseph aus diesen †berlegungen heraus schon mehr als etwa blo§ NŠhr- und Pflegevater. Er hat mitgewirkt zur Menschwerdung Gottes. Und wenn wir noch genauer zusehen, werden wir erkennen, dass der hl. Joseph wirklich Vater des gšttlichen Kindes genannt werden kann: Sehen Sie, ehrwŸrdige Schwestern: Nach dem bekannten Ausspruch des hl. Paulus und nach der allgemeinen Rechtsauffassung hat der Gatte auf den Leib seiner Gattin einen rechtlichen Anspruch in Bezug auf die Hervorbringung neuen Lebens. Darum gehšrt die legitime Leibesfrucht rechtlich nicht etwa blo§ der Gattin, sondern auch dem Gatten, auch wenn er zum Werden dieser Leibesfrucht nicht physisch mitgewirkt hat.

Dazu kommt noch eine andere †berlegung: Wenn Mann und Frau durch die geschlechtliche Vollhingabe nach dem Wort des gšttlichen Heilands selber ein Fleisch werden, so werden die Gatten doch durch das Eheband selbst im wahren Sinn ein Herz und eine Seele und so wird ein von der Gattin rechtmŠ§ig empfangenes und geborenes Kind nicht blo§ ihr, sondern auch dem Gatten geboren: Es ist eine Frucht der Ehe. So ist auch das gšttlich-menschliche Jesuskind in die jungfrŠuliche Ehe von Joseph und Maria hineingeboren worden, und es kann und muss als Spross dieser Ehe bezeichnet werden.

Der gro§e Jesuitentheologe Suarez fŸhrt diesen Grund in folgender Weise aus:  ãDurch die wahre Ehe, die Joseph mit der seligsten Jungfrau einging, wurde er auch in gewissem Sinne Herr ihres Leibes, da ja, wie Paulus sagt, die Frau keine Macht hat Ÿber ihren Leib, sondern der Mann. So ist es geschehen, dass die Frucht des jungfrŠulichen Leibes in einem wahren Sinn dem hl. Joseph zu eigen ist und dieses Kind wirklich auch sein Kind ist. Denn so hei§t es in den ãInstitutiones de rerum divisione:Ò Was auf einem fremden Boden wŠchst oder gebaut wird, fŠllt unter das Eigentumsrecht dessen, dem der Boden gehšrtÒ. Daher, wenn auch auf wunderbare Weise in jemandes Garten ein Quell entsprŠnge, so gehšrte er dem, dem der Garten gehšrt.  Weil also der jungfrŠuliche Boden (des Mutterscho§es Mariens) vom Segen Gottes empfing, so gehšrte die Frucht jenes Segens Joseph an, dem der Boden gehšrte.

Joseph ist also der rechtmŠ§ige EigentŸmer dessen, was da im jungfrŠulichen Scho§ seiner Gemahlin Maria auf wunderbare Weise heranwuchs und heranreifte. Er ist also mehr, als blo§ Pflegevater des gšttlichen Kindes. Wir dŸrfen ihn wirklich Vater nennen. Tut es ja die Hl. Schrift selbst auch und auch Maria, die doch am allerbesten um die wunderbare, wahrhaft gšttliche Herkunft des Kindes ihres jungfrŠulichen Scho§es wusste, nennt doch den hl. Joseph einmal ganz bedenkenlos den Vater Jesu.

Der Evangelist Lukas nennt den hl. Joseph einmal ohne alle EinschrŠnkung Vater Jesu: ãUnd sein Vater und seine Mutter wunderten sich Ÿber das, was von ihm gesagt wurdeÒ (Luk 2,33).

Er nennt Maria und Joseph bedenkenlos auch die Eltern Jesu: ãSeine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum OsterfestÒ (Luk 2,41).

Und die Mutter Jesu selbst sagt zu dem im Tempel wiedergefundenen Jesusknaben: ãSohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesuchtÒ (Luk 2,49).

Also sowohl der vom Hl. Geist erleuchtete Evangelist als auch die seligste Jungfrau nennen den hl. Joseph schlechthin den Vater des Jesuskindes. Der hl. Joseph musste also, soweit nur immer mšglich, zwar in einem hšheren, aber wahren und eigentlichen Sinn Vater des Jesuskindes sein: Gott hat in seiner Weisheit und in seiner Vorsehung den hl. Joseph zum Vater des Jesuskindes bestimmt und bestellt, soweit es nur immer mšglich war, einzig und allein die natŸrliche Zeugung ausgeschlossen. Das Jesuskind war in Wahrheit die Frucht der jungfrŠulichen Ehe zwischen Maria und Joseph: Der Hl. Joseph ist Vater des Jesuskindes auf Grund seines jungfrŠulichen Ehebundes mit der reinsten Jungfrau: In dieser Ehe wurde das Jesuskind empfangen und geboren, es wurde von Gott als Frucht dieser Ehe, als Frucht nicht blo§ Maria, sondern auch dem hl. Joseph geschenkt. Beide, Maria und Joseph, haben nach Gottes weise Vorsehung und Anordnung in disponierender Weise zur Erzeugung dieser Frucht mitgewirkt, freilich nicht in natŸrlicher Weise, sondern auf ŸbernatŸrliche Weise, nŠmlich durch ihre Gott gelobte JungfrŠulichkeit, durch ihre jungfrŠuliche Ehe, die ein gegenseitiges Schenken der eignen JungfrŠulichkeit war, durch ihre rŸckhaltlose Hingabe an den heiligsten Willen Gottes. Und wie also die gebenedeite und gnadenvolle Jungfrau Maria in Wahrheit Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes genannt werden kann, so erscheint der hl. Joseph wenn nicht gerade in gleicher, aber doch Šhnlicher Weise als wahrer Vater des menschgewordenen Sohnes. Der dogmatisch richtige und der unsagbar hohen Stellung des hl. Joseph wirklich entsprechende Titel, den wir ihm geben kšnnten, wŠre vielleicht: JungfrŠulicher Vater Jesu!

Das, was ich Ihnen hier darzulegen versuchte, spricht in sehr tiefer und schšner Weise der gro§e Papst Leo XIII. in seiner Enz. ãQuamquam pluriesÒ aus, wo er folgendes schreibt:

ãDass der hl. Joseph in ganz besonderer Weise als Patron der Kirche angesehen wird, und diese sich von seinem Schutze und seiner  Hilfe sehr viel verspricht, dafŸr ist Grund und Ursache der so einzigartige Umstand, dass er der Mann Mariens und der (jungfrŠuliche) Vater – wie man glaubte – Christi war. Hierin liegt der Grund all seiner WŸrde, Gnade, Heiligkeit und Glorie. Ohne Zweifel ist die WŸrde der Mutter Gottes so hoch, dass nichts Grš§eres geschaffen werden kann. Weil aber Joseph mit der seligsten Jungfrau durch das Band der Ehe verknŸpft war, so reichte er an jene erhabene WŸrde, durch welche die Gottesmutter alle geschaffenen Naturen bei weitem Ÿbertrifft, zweifellos nŠher denn irgendjemand heran. Denn die Ehe ist die innigste Gemeinschaft und Vereinigung, und sie fordert daher die gegenseitige Gemeinschaft der GŸter der Gatten. Wenn also Gott den hl. Joseph zum Gemahl Marias bestimmte, so bestellte er ihn wahrlich nicht blo§ zum LebensgefŠhrten derselben, zum Zeugen ihrer JungfrŠulichkeit, zum SchŸtzer ihrer Tugend, sondern durch eben dieses EhebŸndnis auch zum Teilhaber ihrer erhabenen WŸrde.Ò

Diese jungfrŠuliche Vaterschaft dem gottmenschlichen Jesuskind gegenŸber hat dem hl. Joseph nicht blo§ alle Pflichten, sondern auch alle Rechte und VorzŸge diesem Kind gegenŸber gegeben. Nun ist aber dieses Kind nicht blo§ ein wahres Menschenkind, sondern Sohn Gottes zugleich. Der hl. Joseph war also – so dŸrfen wir es wohl aussprechen – in voller Wahrheit ein Abbild des himmlischen Vaters und sein Stellvertreter auf Erden. Hšhere WŸrde und Auszeichnung fŸr einen Mann ist aber hier auf Erden nicht denkbar. Durch diese seine Vaterschaft erscheint der hl. Joseph noch mehr erhoben als durch seine jungfrŠuliche Ehe mit der reinsten und heiligsten Gottesmutter; die Erhabenheit der Vaterschaft des hl. Joseph wird sichtbar und greifbar darin, dass Maria und Jesus dem hl. Joseph Verehrung und Ergebenheit und Gehorsam erwiesen haben, da er als Gemahl Mariens und als Vater des Jesuskindes auch das Haupt der hl. Familie war: Der ewige Sohn Gottes, mit dem Vater und dem Hl. Geiste gleicher Wesenheit und Herrlichkeit, der Erlšser des Menschengeschlechtes, der Kšnig des Weltalls, er anerkennt zusammen mit seiner hochheiligen Mutter die AutoritŠt des hl. Joseph und ist nicht blo§ Maria, sondern auch ihm, dem hl. Joseph untertan: ãUnd er war ihnen untertan!Ò So sagt der Evangelist.

Und wenn wir nun fragen, wieso dem hl. Joseph solch hohe Auszeichnung und WŸrde, so unsagbar hohe Berufung zuteilwurde, so mŸssen wir wieder antworten: Weil er ein so inniger Herz Mariae Verehrer war.

Denn seine jungfrŠulich reine Liebe zu Maria war das Erste. Der Lohn dafŸr aber war dann die ungeahnte Berufung zu dieser jungfrŠulichen Vaterschaft dem menschgewordenen Sohn Gottes gegenŸber.

Es ist so, auch bei uns: Je mehr wir das unbefleckte Herz der Gottesmutter liebend verehren und nachahmend lieben, umso mehr schenkt sich uns zum Lohn fŸr diese Liebe immer wieder Gott selbst und macht das Angebot unserer JungfrŠulichkeit immer wieder fruchtbar in wundersamer Fruchtbarkeit, da wir Christus empfangen und Christus tragen dŸrfen.

Bei aller Bewunderung der ihm ganz unverdient zuteilgewordenen hohen WŸrde mag der hl. Joseph aber erschauernd immer wieder aufgeblickt haben zu seiner von ihm Ÿber alles geliebten jungfrŠulichen Gemahlin.

So ein erschauernde Bewundern und ehrfurchtsvolles Aufblicken zur unsagbar gro§en und hohen WŸrde seiner jungfrŠulichen Gemahlin steckt unbewusst bereits auch schon hinter jener harten Probe, der die Liebe des hl. Joseph zum Herzen Mariens unterzogen wurde.

Als Maria von ihrem dreimonatigen Aufenthalt bei Elisabeth wieder nach Nazareth zurŸckkam, muss Joseph feststellen, dass seine innig geliebte Braut (Gemahlin) gesegneten Leibes war. Von wem gesegnet, das war ihm ein unlšsbares RŠtsel. Dass ein frecher Einbruch in den von Maria so treu gehŸteten Schatz ihrer JungfrŠulichkeit erfolgt wŠre, konnte Joseph nicht glauben. So etwas konnte er gar nicht denken, wollte er auch nicht denken. Aber der Augenschein sprach zu klar dafŸr. Der einzige Grund, warum er seine Hand zu ehelichem Bunde Maria gereicht hatte, war der, dass er das unbefleckte, jungfrŠuliche Herz Mariens fŸr immer an sich ketten wollte. Diesen kostbaren Schatz der JungfrŠulichkeit hatte Joseph erwerben wollen. Und diesen kostbaren Schatz wollte er Maria behŸten und beschŸtzen und bewahren helfen. Und dazu schloss er mit ihr den ehelichen Bund. Die Grundlage dieses Ehebundes war also die gegenseitige Anvertrauung und BehŸtung des wertvollen Gutes der JungfrŠulichkeit. Ist diese Grundlage zerstšrt, wenn auch nur auf einer Seite, gleichviel, ob mit oder ohne Schuld, so fehlt ja jeder Halt fŸr ein weiteres Zusammenbleiben. Eine Trennung ist fŸr alle FŠlle angezeigt. Das ist eine Forderung des GerechtigkeitsgefŸhls. Joseph aber ist ein ãgerechter MannÒ,  wie es ausdrŸcklich betont wird. DemgemŠ§ stand rasch sein Entschluss fest.  Nur in welcher Weise er ihn ausfŸhren sollte, darŸber war er noch in Zweifel. In hei§em Bitten und Flehen mag er sich da an Gott, den einzigen Ratgeber in einem solchen Herzensanliegen, gewandt haben. Aber es war, als ob Gott seine Bitte um Klarheit nicht erhšren wollte. Eine Trennung war nach der Ansicht Josephs unbedingt erforderlich, weil es die Gerechtigkeit so verlangte. Von allen Mšglichkeiten, die ihm hier offen standen, wollte er jene wŠhlen, durch die er Mara von deren Unschuld er selbstverstŠndlich Ÿberzeugt war, am schonendsten, am liebevollsten behandeln kšnnte.

Heimlich, ganz im Stillen, unauffŠllig gedachte er Maria zu entlassen. So weit war sein Entschluss gereift. Mochte es ihm auch noch so tief ins Herz schneiden, einen besseren Ausweg fand er nicht. Die Trostlosigkeit und Herzensqual des hl. Joseph war gro§. Den kostbarsten Schatz des liebevollsten und reinsten Herzens Mariae sollte er wieder verlieren!

Doch Gott selbst beendete die harte Probe durch einen Engel, der herniederstieg, um alle Zweifel Josephs zu verscheuchen. ãDa erschien ihm der Engel des Herrn im TrŠume und sprach: ãJoseph, Sohn Davids, fŸrchte dich nicht, Maria, deine Gemahlin, zu dir zu nehmen!Ò Also, Maria ist noch seine Gemahlin, seine unverletzt, treue, jungfrŠuliche Gemahlin und soll es fŸr immer bleiben. Er soll sie im Auftrag Gottes selber zu sich nehmen. Mehr brauchte es fŸr den hochbeglŸckten hl. Joseph nicht, um die volle Ruhe und den Frieden des Herzens in ihm wiederherzustellen. Aber der Engel begnŸgte sich nicht mit dem kurzen Auftrag. Der jungfrŠuliche BrŠutigam Mariens soll auch den ganzen Sachverhalt kennen. Deshalb gibt der himmlische Bote ihm nun auch genauen Aufschluss, woher das gro§e Geheimnis stamme, das in der reinsten Jungfrau gewirkt worden ist; und weil Joseph als rechtmŠ§iger Gatte nun auch der rechtmŠ§ige Vater dieses Wunderkindes unter dem Herzen der jungfrŠulichen Mutter werden soll, so teilt ihm der Engel auch noch den hl. Namen mit, den er dem gšttlichen Kind beilegen soll. So also spricht der Engel: ãDas, was in ihr gezeugt worden ist, stammt vom Hl. Geiste; sie wird einen Sohn gebŠren, und du wirst ihm den  Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erlšsen von seinen SŸnden.Ò Der Evangelist MatthŠus fŸgt diesem Bericht noch die Bemerkung hinzu: ãDas alles aber ist geschehen, damit erfŸllt wurde, was vom Herrn durch den Propheten vorausverkŸndet wurde: Siehe da! Eine Jungfrau wird einen Sohn empfangen und gebŠren und man wird seinen Namen Emmanuel hei§en, Gott mit uns!Ò (Mt 1,20-21).

Joseph ist also durch den Engel von Gott selber kundgetan worden, dass mit der wunderbaren Gestaltung der Dinge im Mutterscho§e Mariens die seligste Jungfrau in keiner Weise aufgehšrt habe, seine Gattin zu sein, sondern dass sie als Gattin mit ihrer gebenedeiten Frucht ihm als dem Gatten und Vater von neuem und endgŸltig anvertraut werde.

†berglŸcklich mag der hl. Joseph nach dieser AufklŠrung, die ihm da aus Engelsmund zuteil geworden war, gewesen sein. Er konnte wohl kaum mehr einschlafen vor Freude und Seligkeit. Und die Zeit konnte er wohl kaum erwarten, bis der neue Tag anbrach. Inzwischen mag das Bild seiner reinsten Braut und Gattin ihm vor Augen geschwebt sein: Ein †berlegen ging nochmals durch seinen Sinn Ÿber all die Ereignisse der letzten Zeit. Er hatte sich also nicht getŠuscht: Maria traf also keine Schuld, auch nicht die geringste, im Gegenteil: Der Allerhšchste hatte ihre JungfrŠulichkeit besiegelt und gekršnt. Maria, seine Gemahlin, trŠgt wundersame Frucht unter ihrem unbefleckten Herzen! Sie ist Mutter des verhei§enen Messias! Der hl. Joseph mag dieses GlŸck kaum fassen haben kšnnen. Und hatte der Engel nicht ausdrŸcklich gesagt: FŸrchte dich nicht, Maria, diene Gattin zu dir zu nehmen, er hŠtte es jetzt nicht mehr gewagt, sich ihr zu nahen. Ganz gro§ stand sie jetzt vor ihm, seine vielgeliebte Braut, seine jungfrŠuliche Gattin, die jungfrŠuliche Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes! Und er, St. Joseph, durfte wirklich an ihrer Seite weiter verbleiben, als ihr Gemahl, als SchŸtzer ihrer JungfrŠulichkeit, als HŸter ihres und seines Kindes, das da in seine jungfrŠuliche Ehe mit Maria hineingeboren werden wollte.

Joseph mag da bei diesem nŠchtlichen †berlegen die Worte Ÿberdacht haben, mit denen er am kommenden Morgen Maria entgegentreten wŸrde. Vom Wortkargen hl. Joseph sind uns zwar in der Hl. Schrift keine Worte berichtet, aber wenn er gesprochen hat, so mag sein Gru§ an Maria dem Šhnlich gewesen sein, den der Engel und den Elisabeth an Maria gerichtet hatten: ãAve, Maria, du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus!Ò

Und mit dieser BegrŸ§ung war auch schon alles gesagt, was zur AufklŠrung fŸr Maria nštig war. Und sie mag wortlos ihren keuschen Gemahl an ihr unbeflecktes Herz gedrŸckt haben.

Das war St. Josephs Herz Mariae Verehrung: Dieses stille GlŸcklichsein und Gesegnetsein an jenem unbefleckten Herzen, unter welchem bereits der fleischgewordene Segen Gottes, die Gnade aller Gnaden, das gšttliche Herz Jesu pochte: Das Herz des Kindes, das da als kostbarste Frucht dem gottgesegneten, jungfrŠulichen Ehebund Mariens und Josephs entsprie§en sollte.

Wenn wir es doch erkennen wollten, welch unsagbar gro§er Segen auf der rechten, durch keine Zweifel ins Wanken zu bringende, innig liebenden Herz Mariae Verehrung ruht! St. Joseph, der erste Herz Mariae Verehrer zeigt es uns!