Das Grabtuch von Turin

(Fatima-SŸhnemesse am 13.September 1978)

 

So vieles kšnnte ich heute bei dieser Fatima-SŸhnemesse berichten Ÿber die eindrucksvolle, gnadenreiche Pilgerfahrt, die ich vom 18.August bis 4.September mit 46 Pilgern im Alter von 18 bis 85 Jahren unternehmen durfte durch die Schweiz und Frankreich nach Spanien und dann wieder zurŸck durch Frankreich, Italien und die Schweiz.

Wie viel Schšnes und Erhebendes aus Natur und †bernatur haben wir bei strahlend schšnem Wetter zu sehen bekommen bei der herrlichen Fahrt Ÿber die Schweizer Passstra§en nach Andermatt und von dort Ÿber die ehemalige Papst-Residenzstadt Avignon in Frankreich zum gro§en, ehrwŸrdigen katalanischen Marienheiligtum am Montserrat in Nordspanien. Dann er lebten wir in Valencia in Mittelspanien das ergreifend schšne, wundertŠtige Mariengnadenbild der "Mutter der UnterdrŸckten und Obdachlosen" und verehrten in der Kathedrale die dort aufbewahrte kostbare Reliquie des Grals, den Kelch, mit dem der gšttliche Heiland das Letzte Abendmahl gefeiert hat und zu dem einst Parzival gepilgert ist.

In der herrlich gelegenen Stadt Granada an der Sierra Nevada hat uns au§er der Kathedrale vor allem die Kirche und das Grab des GrŸnders der Barmherzigen BrŸder, des hl. Johannes von Gott, tief beeindruckt. Ich durfte in der Predigt bei der hl. Messe an diesem Heiligengrab darauf hinweisen, wie sich der Hl. Geist in einem schwachen, sŸndigen Menschen als wahrhaft gšttlicher KŸnstler erwiesen hat, der aus dem schlechten Holz eines Abenteurers und ruhelosen Vagabunden einen gro§en Heiligen der Caritas geschnitzt hat.

In Sevilla haben wir in der Kšniglichen Kapelle der Kathedrale am Grab meines Namenspatrons, des tapferen KŠmpfers fŸr den wahren Glauben gegen die Mauren, die hl. Messe gefeiert und vor dem Gnadenbild Mariens das der heilige Kšnig Ludwig von Frankreich dem hl. Kšnig Ferdinand geschenkt hat, gebetet, dass auch in uns die Marienliebe nicht abnehme, sondern wachse in wahrhaft kšniglicher Gesinnung, wie sie diesen beiden heiligen Kšnigen eigen war.

Besonders beeindruckt waren wir von Avila, der Geburtsstadt der hl. Teresa, die der verstorbene Papst Paul Vl. zur WŸrde einer Kirchenlehrerin erhoben hat zusammen mit der hl. Caterina von Siena.

In dem in eine prachtvolle Kirche verwandelten Geburts- und Elternhaus der hl. Teresa haben wir die hl. Messe gefeiert, ebenso im Kloster der Menschwerdung, in das Teresa als junges MŠdchen eingetreten ist und ihre Reform des Karmeliterordens begonnen hat, und zwar mit unglaublich gro§em Mut gegen allen Widerstand, weil sie von dem Ÿberzeugt war, was sie in die bekannte Worte kleidete: "Nichts soll dich Šngstigen, nichts dich erschrecken! Alles vergeht! Gott allein bleibt! Gott allein genŸgt!"

In Avila, im Elternhaus der hl. Teresa, wurde auch in einer rŸhrend schšnen Feier des 40j.PriesterjubilŠums des geistlichen Reiseleiters der Pilgerfahrt gedacht. Es war genau zur gleichen Stunde, da in Rom der neue Papst gewŠhlt wurde.

Schlie§lich gelang es uns auch noch, am Grab der hl. Teresa in dem kleinen Ort Alma de Tormes, wo die gro§e KlostergrŸnderin und Ordensreformerin am 15.Oktober 1582 in der NŠhe der berŸhmten UniversitŠtsstadt Salamanca gestorben ist, die hl. Messe zu feiern.

Auf der Heimreise aus Spanien haben wir dann zwei Tage am gro§en franzšsischen Marienwallfahrtsort Lourdes geweilt und dort zweimal die hl. Messe gefeiert:

Einmal in der oberen Rosenkranzbasilika und einmal in frŸher Morgenstunde in der Grotte Massabielle, wo die unbefleckt empfangene Gottesmutter der hl. Bernadette 18mal erschienen ist. Auch wenn uns teilweise moderne VerŠnderungen in Lourdes missfallen, so erlebt man doch Lourdes auch heute noch als die Stadt des Gebetes: Viel wird gebetet an der Grotte und bei den BŠdern, viel wird auch gebetet beim ergreifenden Kreuzweg, den wir gegangen sind, viel wird gebetet bei der nachmittŠgigen Sakramentsprozession und Segnung der Kranken und bei der abendlichen Lichterprozession.

Von Lourdes ging die RŸckfahrt Ÿber Avignon, wo die PŠpste unglŸckseligerweise 70 Jahre lang von 1306 bis 1377 residierten, und Ÿber Savona an der italienischen MittelmeerkŸste, wo Papst Pius VII. mehrere Jahre lang von Kaiser Napoleon gefangen gehalten wurde, nach Turin, die einstige Residenzstadt der Kšnige aus dem Hause Savoyen und Hauptstadt der italienischen Provinz Piemont.

Hier wurden uns die grš§ten Opfer abverlangt. Wir durften hier aber auch in der Kathedrale die kostbarste Passionsreliquie verehren, das Grabtuch von Turin, das heuer -zum ersten Mal wieder seit mehreren Jahrzehnten - einen Monat lang zur Verehrung ausgestellt wird. Darauf mšchte ich nun etwas ausfŸhrlicher zu sprechen kommen, weil wir ja am morgigen Tag das Fest der Kreuzerhšhung und Ÿbermorgen das Fest der sieben Schmerzen Mariens begehen! und es darum sicher angebracht ist, dass wir gleichsam zusammen mit der Schmerzensmutter Maria dieses geheimnisvolle Grabtuch betrachten, in das der hochheilige Leichnam Jesu nach der Kreuzabnahme gehŸllt worden ist und in das sein zerschundener, von Hunderten von Wunden zermarterter Leib und vor allem auch das Totenantlitz des gšttlichen Schmerzensmannes abgedrŸckt worden ist.

Wir kamen mit unserem Autobus am Samstag, 3.September um 9.45 Uhr am Rand der Millionenstadt Turin ab. Verschiedene Hinweise gab es auf der Fahrt dahin, die unseren Autobus zur Ausstellung des hl. Grabtuches, der Santa Sindone hinlenken sollten. Aber wir wurden schon am Stadtrand von der Polizei gestoppt; es hie§, die Stadtmitte um die Kathedrale herum sei total ŸberfŸllt von Pilgern, wir kšnnten mit dem Autobus nicht hineinfahren. Wir wurden genštigt, mit einer alten, klappernden Tram 20 Minuten zu fahren. Und als wir dann in der NŠhe der Kathedrale ankamen, sahen wir die Tausende und Tausende von Pilgern, die alle warteten, um vor das Hl. Grabtuch vorgelassen zu werden. Ein stundenlanges Anstellen und Warten in hei§er Mittagssonne folgte nun mit sŸdlŠndischem LŠrmen und Sto§en bei mangelhafter Organisation. Und doch lohnten sich die gebrachten Opfer, als wir dann endlich in den Dom hineinkamen und einige Minuten betrachtend und betend vor dieser heiligsten Passionsreliquie standen, die vor genau 400 Jahren nach einer eigenartigen Pilgerfahrt aus dem Nahen Osten Ÿber Konstantinopel und franzšsische StŠdte nach Turin in Italien kam.

Was hat es nun mit dem Grabtuch von Turin, zu dem seit dem 28.August bis zum 8.Oktober hunderttausende GlŠubige pilgern, fŸr eine Bewandtnis:

Eigenartig, wie keine andere Reliquie war das Grabtuch von Turin schon im Mittelalter in der Echtheitsfrage leidenschaftlich umstritten, seit es durch die Kreuzfahrer von Konstantinopel nach Frankreich gebracht und  zuerst in der Stadt Besanon versteckt worden war. 1307 kam es in die HŠnde des Kreuzritterordens der Templer, der bekanntlich ein tragisches Ende nahm; dann gelangte es in den Besitz der Kanoniker von Lirey bei Troyes in Frankreich. Diese begannen, das Grabtuch zur Verehrung auszustellen.

Der zustŠndige Bischof Peter de Arcis von Troyes warf den Kanonikern aber vor, sie wŸrden das Grabtuch nur ausstellen, um Pilger anzulocken und dabei Geld zu verdienen, dabei wŸssten sie doch, dass das Grabtuch eine FŠlschung und das Antlitz Christi darauf nur ein GemŠlde sei, denn schon sein VorgŠnger, Bischof Heinrich von Poitiers, habe das Tuch untersuchen lassen und es sei dabei der Betrug herausgekommen.

Erst als das Grabtuch um die Mitte des 15.Jahrhunderts in den Besitz des Herzogs Ludwig von Savoyen gekommen war - es gehšrt heute noch dem ehemaligen italienischen Kšnigsgeschlecht derer von Savoyen - da setzte sich immer mehr die †berzeugung durch, es handle sich doch um das echte Grabtuch Jesu und damit um ein wahres Abbild Christi.

Am Ende des vorigen Jahrhunderts brach aber der Streit um diese Reliquie erneut aus. Aus Anlass einer damaligen Ausstellung des Grabtuches hatte der angesehene franzšsische Historiker Ulysse Chevalier, kath. Priester und Kanoniker, alte Dokumente veršffentlicht, mit denen die Unechtheit der Reliquie bewiesen werden sollte: Es handle sich, um eine grobe FŠlschung, denn das ganze Tuch sei nichts als eine geschickte Malerei.

Bei der Ausstellung des Turiner Grabtuches im Jahre 1898 war das Tuch zum ersten Mal von einem Fotoamateur, dem Juristen Secondo Pia, fotografiert worden. Naturwissenschaftler vor allem aus Frankreich glaubten aus der Photographie beweisen zu kšnnen, dass es sich nicht um ein Kunstwerk eines Malers handeln kšnne, das Bild auf dem Tuch sei vielmehr der natŸrlich entstandene Abdruck des Leichnams eines Gekreuzigten, und dieser Gekreuzigte kšnne niemand anderer sein, als Jesus von Nazareth.

Der unglŠubige Agnostiker Yves Delage, ein bekannter Physiologe, vertrat diese Behauptung sogar am 21.April 1902 vor der Franzšsischen Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied er war. Argumente fŸr die Echtheit waren vor allem der Negativcharakter des Tuchbildes, fŸr den es in der Geschieht der Kunst keine einzige Parallele gebe, desgleichen die genaue anatomische und physiologische Richtigkeit und Exaktheit des abgebildeten Gekreuzigten.

Die weitere Diskussion zwischen Historikern, Medizinern und Humanwissenschaftlern verlief in der folgenden Zeit recht unerfreulich. Es stand leider nur eine einzige photographische Aufnahme des Ÿber 4 Meter langen Tuches zur VerfŸgung; und diese Aufnahme war noch dazu unter denkbar ungŸnstigen Bedingungen erfolgt. Die Kunst der Photographie war ja damals noch lange nicht so entwickelt wie heute. Der Photoamateur Dr. Juris Secondo Pia hatte zur Beleuchtung keine richtigen Scheinwerfer, sondern nur Bogenlampen, die er mit eigenen Generatoren betrieb und die ein stŠndig flackerndes Licht gaben. Eine Beurteilung von Details auf dem Grabtuch, etwa der Gewebestruktur der Leinwand oder der Eigenart der Blutspuren auf dem Tuch usw., war an Hand dieser ersten Photographie nicht mšglich. Man warf schlie§lich diesem Juristen, der die erste Photographie des Grabtuches gemacht hatte Betrug vor. Dieser Jurist Secondo Pia konnte sich dagegen nicht einmal wehren, weil das Tuch nach der Ausstellung im Jahre 1898 wieder in einem silbernen Schrein eingeschlossen worden war, und somit ein Vergleich mit dem Original nicht mehr mšglich war.

Das Jahr 1931 brachte eine Wende in der Diskussion: Bei der in diesem Jahr  erfolgten neuerlichen Ausstellung des Grabtuches wurde es unter fachlicher und notarieller Kontrolle durch einen damals fŸhrenden Berufsphotographen G. Enrie fotografiert.

Jetzt standen zahlreiche gro§formatige Aufnahmen, z.T. in direkter Vergrš§erung, zur VerfŸgung. Damit konnten nun €rzte, vor allem Gerichtsmediziner, in die Diskussion Ÿber die Echtheitsfrage eingreifen. Besonders ist da der damalige PrŠsident der Gesellschaft der Chirurgen von Paris, Dr. Pierre Darbet, zu nennen, der sich auf Grund seiner Untersuchungen, die er an den gemachten Photographien anstellte, fŸr die Echtheit des Grabtuches entschied.

Auf der Gegenseite traten aber mit besonderer Heftigkeit einige Exegeten vor allem in Frankreich und Deutschland, z.B. der inzwischen verstorbene Passauer Neutestamentler Jos. Blinzler in seinem Buch "Das Turiner Grablinnen und die Wissenschaft"(1952), gegen die Echtheit auf.

Im Verlauf der letzten Jahre aber hat sich von verschiedenen Seiten her ein všlliger Wandel der Situation ergeben und zwar so, dass man kaum mehr wagt, an der Echtheit des Turiner Grabtuches zu zweifeln, weil die Argumente, die dafŸr sprechen, zu stark und zu Ÿberzeugend sind:

1. Die Behauptung, das Turiner Christusbild auf dem Grablinnen sei nichts als Malerei, wagt heute niemand mehr, der halbwegs mit der ganzen Materie vertraut ist, aufzustellen. Prof. J. Blinzler hatte noch in seinem Buch von 1952 gemeint: "Man nimmt heute gewšhnlich an, dass die Bilder(auf dem Turiner Grablinnen) durch behutsames und wohlŸberlegtes Auflegen des Tuches auf einen entsprechend prŠparierten Kšrper erzielt worden sind; zuletzt hat der KŸnstler durch geschicktes und wohlberechnetes Aufgie§en von Blut oder einer anderen dunklen FlŸssigkeit jene Stellen hervorgebracht, die er als Blutspuren verstanden wissen wollte; schlie§lich hat er sich, um ein mšglichst realistisches Grabtuch zu schaffen, auch antike oder doch wenigstens orientalische Leinwand besorgt (J. Blinzler a.a.O.S.29f). Heute werden solche Behauptungen als všllig falsch hingestellt.

Im Oktober 1973 wurden vom Grabtuch von Turin exaktere Aufnahmen in ultraviolettem Licht, Infrarotaufnahmen, Ršntgenaufnahmen, Aufnahmen in durchscheinendem Licht gemacht - das sind Methoden, mit denen schon manche KunstfŠlschungen bei Bildern aufgedeckt wurden - fŸr das Turiner Grabtuch ergab sich dabei kein einziger Anhaltspunkt fŸr eine Herstellung durch KŸnstlerhand.

Es wurden auch FadenstŸcke fŸr textilkundliche und medizinische Untersuchungen entnommen, die ebenfalls interessante Erkenntnisse erbrachten

Wichtig ist, dass es jetzt schon ganz solide Anhaltspunkte fŸr das Alter des Turiner Grabtuches gibt: Da heute kein vernŸnftiger Zweifel mehr besteht, dass es sich beim Turiner Grabtuch um das Leichentuch eines Gekreuzigten handeln muss, die Todesstrafe der Kreuzigung aber durch Kaiser Konstantin(+337) abgeschafft wurde, ergab sich, dass das Tuch mindestens in die Zeit vor 300 n. Chr. ZurŸckreichen muss.

Dazu kam noch eine weitere hochinteressante Feststellung: Zu den Mitgliedern des Gutachterkollegiums, das die Korrektheit der neuen Aufnahmen des Grabtuches von Turin sicherzustellen hatte, gehšrte auch der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der ZŸricher Kriminalpolizei Dr. Max Frei-Sulzer. Er doziert Kriminalistik an der UniversitŠt ZŸrich und war Vorsitzender der UNO-Kommission nach dem Tod des UNO-GeneralsekretŠrs Dag Hammarskjšld. Es wurde ihm die Mšglichkeit geboten, mit Haftstreifen, wie sie in der Kriminalistik Ÿblich sind, Proben von den vielfŠltigen Ablagerungen auf dem Turiner Grabtuch zu entnehmen. Bei den nachfolgenden Untersuchungen unter dem Licht-und Elektronenmikroskop wurden zahlreiche BlŸtenstaub-Pollenkšrner festgestellt, darunter solche von Pflanzen aus dem Nahen Osten. Es konnten dabei 11 Pflanzenarten aus PalŠstina und 8 aus Anatolien identifiziert werden. Da die Geschichte des Turiner Grabtuches seit der Mitte des 14.Jahrhunderts lŸckenlos belegt ist, muss sich das Grabtuch vorher im anatolischen und palŠstinensischen Klimaraum befunden haben. Damit war die Behauptung einer Herstellung des Tuches durch einen franzšsischen Maler des 14.Jahrhunderts abermals ad absurdum gefŸhrt.

Der evangelische Schweizer Dozent fŸr Kriminalistik Dr. Max frei-Sulzer ist Spezialist fŸr Indizienbeweise bei MordfŠllen. Er meint nun, die Indizien, die dafŸr sprechen, dass der Gekreuzigte, der in dieses Leichentuch gehŸllt war, Jesus Christus gewesen sein muss, seien Ÿberaus        zahlreich:

Nach Haar-und Barttracht des am Tuch abgebildeten, komme nur ein Jude in Frage. Dazu kommen die Spuren von der Dornenkrone, dann die Seitenwunde des Gekreuzigten und das aus der Seitenwunde noch ausgetretene Blut und Wasser. Das alles deute sehr klar darauf hin, dass der Gekreuzigte Jesus Christus gewesen sei. Noch gewichtiger ist die Tatsache, dass dieser Gekreuzigte, der in dieses Leichentuch gehŸllt war, Ÿberhaupt begraben wurde und zwar in einer ganz ungewšhnlichen Weise, die sich gerade durch die besonderen UmstŠnde beim BegrŠbnis Jesu und durch die Eigenart seines Grabes verstŠndlich machen lŠsst. †berdies stellte der Gerichtsmediziner sofort fest, dass der Leichnam dieses Gekreuzigten nur zwei bis drei Tage in diesem Tuch gelegen sein kann. Sonst wurden nŠmlich im Altertum Hingerichtete normalerweise den Raubvšgeln Ÿberlassen oder in ein Massengrab geworfen, nachdem man sie vorher in ihre eigenen Kleider gewickelt hatte. Beim Gekreuzigten vom Grabtuch von Turin aber handelt es sich um einen Gekreuzigten, der in ein 4 m langes Leintuch gewickelt und in ein besonderes Grab gelegt wurde, aus dem er nach drei Tagen verschwunden ist.

(Es ist sonst auch unmšglich, die Leinwand von der Wunde loszulšsen, ohne das Bild der Blutgerinnung zu beschŠdigen. Beim Turiner Grabtuch aber geschah das.)

Gewšhnlich wurden die Gekreuzigten an das Kreuz durch Stricke gefesselt, der Gekreuzigte vom Grabtuch von Turin aber ist mit NŠgeln an das Kreuz genagelt worden. Es ist auch von keinem Gekreuzigten der Antike sonstwie bekannt, dass er mit einer Dornenkršne gekršnt worden wŠre; beim Gekreuzigten des Turiner Grabtuches aber war das der Fall.

Sonst wurde der Gnadensto§ einem Gekreuzigten dadurch gegeben, dass ihm die Beine durch einen Stockschlag zertrŸmmert wurden. Der Gekreuzigte des Grabtuchs von Turin aber ist am Brustkorb durchbohrt worden, als er bereits tot war.

Die Hingerichteten haben normalerweise ihren Geist unter verzweifelten Grimassen aufgegeben, der Gekreuzigte des Turiner Grabtuches aber weist im Negativ, das beim Fotografieren zum Positiv wird, eine "erschreckende Schšnheit und eine Ÿbermenschliche MajestŠt sowie eine unerklŠrliche erhabene Haltung" auf, wie mit Recht behauptet worden ist.. Ist also der Gekreuzigte des Grabtuchs von Turin unser Herr und Heiland Jesus Christus? Es bleibt fast kein Zweifel mehr!

Wenn dem so ist, dann kšnnen wir nicht blo§ Ÿber die Statur und Grš§e des Gottmenschen Jesus Christus eine Feststellung machen, denn der Gekreuzigte des Leichentuchs von Turin war 1,75 m gro§, wir kšnnen dann vor allem erschŸtternde Feststellungen Ÿber die Passion Jesu machen:

  1. Auf dem Leib des Gekreuzigten, der auf dem Grabtuch von Turin abgedrŸckt ist, sind vor allem die Zeichen einer entsetzlichen Gei§elung festzustellen: Der Mann des Grabtuchs von Turin wurde auf einen SŠulenstumpf gebeugt gegei§elt und die Hiebe waren, wie man festgestellt hat, mit vorbedachter Verteilung und genauer Geometrie ausgeteilt worden, wobei das jŸdische Ma§ der Gei§elung, nŠmlich 40 Hiebe weniger einen, weit Ÿberschritten wurde. Auf dem Grabtuch von Turin kann man mehr als 120 Gei§elwunden feststellen. Die Gei§eln mŸssen an ihren Enden Bleigewichte und spitze Knšchelchen gehabt und Riss- und Quetschwunden und Kontusionen hervorgerufen haben.
  2. Die Stirne, das Haupt und der Nacken des Mannes, der in das Grabtuch von Turin gehŸllt war, sind durch BlutergŸsse gezeichnet, die zurŸckzufŸhren sind auf spitze, stachelige, quetschende Instrumente: das kann nur eine Dornenkrone, gewunden aus dem berŸhmten palŠstinensischen Dorn Christi gewesen sein. Besonders eindrucksvoll ist der Bluterguss auf der Stirne in der Form einer Dreierziffer, der die Bewegungen des Hauptes und das spastische Zusammenziehen der Muskeln in der schrecklichen Agonie zeigt.
  3. Der Mann, der in das Grabtuch von Turin gehŸllt war, muss einen ganz schweren Kreuzbalken auf seinen Schultern getragen haben, denn in der Gegend des linken Schulterblattes und des rechten oberen Schulterblattes zeigen sich zwei gro§e tiefe Quetschwunden mit AbschŸrfungen von einem schweren, rauen Gegenstand, der die durch die Gei§elung verursachten Wunden wieder aufriss, sie erweiterte und deformierte. Es handelt sich um das sogenannte "Patibulum", d.h.um den Kreuzbalken, den die Verurteilten, an den Armen gebunden, tragen mussten.

Spuren des Sturzes unter der Kreuzeslast -wir denken an die 3.,7. und 9. Station des Kreuzweges Jesu- sind auf dem linken Knie des am Turiner Grabtuch abgedrŸckten Leichnams abzulesen.

Aufschlussreich ist am Grabtuch von Turin auch die Stelle, wo der Gekreuzigte zur Annagelung durchbohrt wurde: Die KŸnstler verlegen bei der Darstellung eines Kreuzesbildes oder eines Kruzifixes die Wunden von der Annagelung der HŠnde fŸr gewšhnlich in die HandflŠchen. Die Anatomie sagt uns aber, dass eine solche Annagelung unmšglich sei, wenn der Kšrper lŠngere Zeit am Kreuze hŠngenbleiben und nicht herunterstŸrzen soll. Die Annagelung muss in der Handwurzel zwischen den Knšchelchen des Handgelenks erfolgen. Und genau diese Art der Annagelung zeigt sich am Grabtuch von Turin. Vergessen wir nicht, dass bei dieser Art der Annagelung in der Handwurzel der hineingetriebene Nagel den mittleren Nerv verletzte und einen furchtbaren Schmerz hervorrufen musste und den Daumen in das Handinnere hineinzog. TatsŠchlich ist am Grabtuch von Turin der Daumen des Gekreuzigten nicht sichtbar.

Auch die FŸ§e des Gekreuzigten am Grabtuch von Turin sind durchbohrt worden, aber so, dass sie Ÿbereinander mit einem einzigen Nagel angeheftet wurden. Das Blut auf der ganzen Fu§sohle erweckt den Gedanken, dass der rechte Fu§ unmittelbar am Holz des Kreuzes haftete, wŠhrend der linke Fu§, in der Leichenstarre zusammengezogen, darŸbergelegt war. Die BlutbŠchlein, die sich an den Handgelenken und an den Unterarmen des Mannes, der in das Grabtuch von Turin gehŸllt war, bildeten, lassen auf eine lange durchstandene Agonie bei ausgestreckten Armen und bei starker Neigung nach vorne schlie§en.

Der Gnadensto§ wurde -wie gesagt - den zum Tod Verurteilten in der Antike durch Brechen der Beine gegeben. Der Mann des Grabtuchs von Turin aber hat die Beine intakt, hat aber eine ganz auffallende Wunde am Brustkorb mit einem Strom von Blut und Serum. Die Wunde am Brustkorb des Mannes vom Grabtuch von Turin wurde durch eine spitze Klinge, die ršmische Lanze hervorgerufen. Die Lanze des Hauptmanns durchdrang die sechste Rippe und traf das Herz. "Sogleich floss Blut und Wasser heraus. Der dies gesehen hat, legt Zeugnis dafŸr ab. Und sein Zeugnis ist wahr. Und er wei§, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt!" So schreibt der Apostel und Evangelist Johannes(Joh 19,35).Sein Zeugnis ist wirklich wahr, wie sich nun am Grabtuch von Turin herausgestellt hat.

Stellen wir uns nun mit dem Apostel Johannes im Geiste an die Seite der Schmerzensmutter Maria. Man hat den Leichnam Jesu nach der Kreuzabnahme in ihren Scho§ gelegt. Betrachten wir mit der Schmerzensmutter die Wunden am zermarterten Leichnam Jesu und bitten wir Maria: "Mutter, drŸck die Wunden, die dein Sohn am Kreuz empfunden, tief in unsre Seelen ein!"

Maria war dann dabei, als Joseph von ArimathŠa und Nikodemus den Leichnam Jesu in reine Leinwand wickelten und in ein neues Grab legten. Darin lag Jesus bis zu seiner glorreichen Auferstehung.

Das Grabtuch fanden die Apostel nach der Auferstehung Jesu im leeren Grab. FŸr die Juden war das, was mit einem Toten in BerŸhrung gekommen war, gesetzlich unrein und wurde darum gemieden. Die ersten Christen aber werden das Grabtuch Jesu aufbewahrt und versteckt haben. Es wanderte dann auf eigenartige Weise von PalŠstina nach Konstantinopel, von Konstantinopel in der Kreuzfahrerzeit nach Savoyen und von dort schlie§lich vor genau 400 Jahren nach Turin.

Es ist wohl die ergreifendste Passionsreliquie unseres Herrn und Heilands. Sie hat uns unsagbar viel zu sagen, wenn wir sie in der Gesinnung Mariens in Liebe und Dankbarkeit betrachten.

Ich mšchte aber sagen: Es gibt noch eine viel viel kostbarere Passionsreliquie, die uns allzeit zugŠnglich ist: Es ist der Leib unseres Herrn und Heilands im Hl. Sakrament. Es ist ja derselbe Leib, der am Kreuze hing in Todesnot und dann im Grabe lag und am dritten Tag glorreich auferstand. Bewahren wir uns den Glauben an die wahre, wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi in der Hl. Eucharistie und empfangen wir den Leib Jesu immer in der Gesinnung der Schmerzensmutter Maria, in grš§tmšglicher Ehrfurcht und Liebe und sagen wir dem gekreuzigten Heiland, was wir Pilger vor dem Grabtuch Jesu im Dom zu Turin Ihm gesagt haben: "Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlšst!"

Denken wir bei jeder hl. Kommunion, wenn wir den Opferleib und das Opferblut unseres Herrn und Heilands empfangen, immer auch an die Schmerzensmutter: Denn ãfŸr seiner BrŸder Schulden: Sah sie Jesus Marter dulden,/ Gei§eln, Dornen, Spott und Hohn./ Sah Ihn trostlos und verlassen/ An dem blut'gen Kreuz erblassen,/ Ihren lieben, einz'gen Sohn".

Bitten wir am Schluss dieser Karfreitagsbetrachtung Ÿber das Grabtuch von Turin:

"Gib, o Mutter, Born der Liebe,/dass ich mich mit dir betrŸbe,/ dass ich fŸhl die Schmerzen dein! / Dass mein Herz von Lieb' entbrenne,/ dass ich nur noch Jesus kenne,/ dass ich liebe Gott allein. / Heil'ge Mutter, drŸck die Wunden,/ die dein Sohn am Kreuz empfunden,/ tief in meine Seele ein.

Ach, das Blut, das Er vergossen,/ ist fŸr mich dahingeflossen/ lass mich teilen Seine Pein./ ...

Lass mich Christi Tod und Leiden,/ Marter, Angst und bittres Scheiden/ fŸhlen wie dein Mutterherz..."